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Referenten alphabetisch

2. Halbjahr 12 (09.09.12 - 17.02.13)

Dr. Rainer Hank Dr. Rainer Hank
Der Ausnahmezustand. Europa in Zeiten der Gefahr

Sendezeit: So 09.09.2012, 08:00h


Europa steckt in einer existentiellen Krise, tiefer als zu irgendeinem Zeitpunkt seit 1945. Anders als angekündigt hat der Euro, die gemeinsame Währung, das Integrationsversprechen nicht gehalten. Anstatt einer Annäherung der Lebensverhältnisse in Nord und Süd erleben wir eine dramatische Staatsschuldenkrise, die nicht nur ökonomische, sondern auch politische Verwerfungen nach sich zieht. Und Europa hat es versäumt, Regeln für den Ausnahmezustand – den Bruch von Maastricht – zu formulieren. Was die Regierungen seit zwei Jahren „Rettung“ nennen, entpuppt sich immer mehr als bloße Insolvenzverschleppung ohne Konzept. Dem Ökonomismus der Euro-Retter („Scheitert der Euro, so scheitert Europa“) und der Sakralisierung eines zentralistischen Europas muss, so Rainer Hank, deutlich widersprochen werden.



Prof. Dr. Horst Dreier Prof. Dr. Horst Dreier
Recht und Willkür

Sendezeit: So 16.09.2012, 08:00h


Willkür ist der Inbegriff der Ungerechtigkeit. Tyrannische und totalitäre Ordnungen bezeichnen wir als Willkürherrschaften. Das Bundesverfassungsgericht hat Willkür bestimmt als "die tatsächliche und eindeutige Unangemessenheit der gesetzlichen Maßnahme im Verhältnis zu der tatsächlichen Situation, deren sie Herr werden soll". Wenn wir uns aber auf das in Willkür auch steckende Moment des subjektiven Willens besinnen, so eröffnen sich auch positive Konnotationen: Willensfreiheit, die grundrechtsgestützte Selbstbestimmung des Einzelnen und die demokratische Selbstorganisation eines politischen Gemeinwesens.



Prof. Dr. Michael Stolleis Prof. Dr. Michael Stolleis
Rechtsstaat und Unrechtsstaat im 20. Jahrhundert

Sendezeit: So 23.09.2012, 08:00h


Der Rechtsstaat, die historische Errungenschaft einer freien Gesellschaft, ist auf Institutionen und Verfahren, vor allem aber auf die kritische Aufmerksamkeit seiner Bürger angewiesen. Der Unrechtsstaat konnte sich in Europa nach dem Ersten Weltkrieg ausbreiten, weil mit den Krisen des 20. Jahrhunderts diejenigen Kräfte die Oberhand gewannen, welche die parlamentarische Demokratie, die Gewaltentrennung, die Achtung der Grundrechte und den Rechtsstaat mit Hilfe von antiliberaler Propaganda und Gewalt beseitigten. Inzwischen sind die rechten und linken Diktaturen aus Europa weitgehend verschwunden. Dennoch ist der Rechtsstaat nichts Selbstverständliches; sein Erhalt ist vielmehr eine tägliche Herausforderung.



Prof. Dr. Anne Peters Prof. Dr. Anne Peters
Recht und Politik - Der internationale Schutz der Menschenrechte

Sendezeit: So 30.09.2012, 08:00h


Die Idee der Menschenrechte ist als "die letzte Utopie der Menschheit" bezeichnet worden. Noch unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges wurde von den Vereinten Nationen 1948 die universelle Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Trotz laufender Ausweitung und Verfeinerung der völkerrechtlichen Instrumente werden überall auf der Welt Menschenrechte immer wieder massiv verletzt. Politische Repression, bewaffnete Konflikte, Unterentwicklung, Korruption und Umweltzerstörung sind einige der Faktoren, die den wirksamen Schutz der Menschenrechte hemmen. Neue Gefährdungen gehen von "global players", also von transnationalen Unternehmen, Militärdienstleistern und Terrorgruppen aus. Unter der Flagge eines kulturellen Pluralismus oder der Terrorismusbekämpfung werden derzeit vermeintlich gesicherte menschenrechtliche Grundwerte wieder in Frage gestellt.



Prof. Dr. Rolf Stürner Prof. Dr. Rolf Stürner
Recht und Markt - Gefährdung der Vermögensordnung durch private Spekulation und staatliche Überschuldung

Sendezeit: So 07.10.2012, 08:00h


Ein wesentliches Element freier Märkte ist die Freiheit des Kapitalverkehrs. Doch inzwischen droht der weltweite Kapitalverkehr zu Herrschaft mächtiger Investoren zu entarten, deren verfügbares Kapital die Budgets auch größerer Staaten bei Weitem übersteigt. Offene Finanzmärkte mit hoher Volatilität verführen auch Staaten zur Verschuldung durch Anleihen oder Garantien. All dies gefährdet eine ausgewogene Vermögensordnung und damit die rechtsstaatliche Demokratie. Rolf Stürner geht in diesem Vortrag der Frage nach, ob die Rechtsordnung zu einer besseren Ausgewogenheit verhelfen kann.



Prof. Dr. Dieter Langewiesche Prof. Dr. Dieter Langewiesche
Recht und Revolution

Sendezeit: So 07.10.2012, 08:20h


Ohne Normenverstoß kein gesellschaftlicher Fortschritt, ohne Normengehorsam keine funktionsfähige Gesellschaft und kein funktionsfähiger Staat. Dieser Zwiespalt begleitet seit der Französischen Revolution das Nachdenken über Recht und Revolution. Die Revolution in eine verbesserte Rechtsordnung zu überführen, wurde zur Leitlinie europäischer Revolutionäre im 19. Jahrhundert. Erst im 20. Jahrhundert entstand das Modell einer Revolution gegen das Recht. Diesen Bruch und seine historischen Wirkungen erörtert der Vortrag von Dieter Langewiesche.



Prof. Dr. Heinz Bude Prof. Dr. Heinz Bude
Bildungspanik – Was unsere Gesellschaft spaltet

Sendezeit: So 14.10.2012, 08:00h


Eine große Sorge hat unsere Gesellschaft erfasst: Werden unsere Schüler und Studenten eines Tages gegen die internationale Konkurrenz bestehen können? Die Ergebnisse der PISA-Studien wecken gehörige Zweifel und haben eine Grundsatzdiskussion über unser Schulsystem ausgelöst. Dabei wird selten darüber gesprochen, was gelernt werden soll, viel häufiger geht es um die Verteilung von Bildungschancen. Denn gerade die Bildung ist ein Feld, auf dem man soziale Unterschiede ausspielen kann. Das Bedürfnis, sich zu unterscheiden, und die Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg lassen sich nicht wegdiskutieren, das haben die gescheiterte Reform in Hamburg genauso wie der Run auf teure Privatschulen gezeigt. Wie viel Gleichheit braucht unsere Gesellschaft? Wie viele Unterschiede erträgt sie und was bedeutet das für das Schulsystem?



Prof. Dr. Michael Hartmann Prof. Dr. Michael Hartmann
Arm und reich in Deutschland

Sendezeit: So 21.10.2012, 08:00h


Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich im letzten Jahrzehnt in Deutschland so schnell vertieft wie in kaum einem anderen Industrieland. Inzwischen besitzt das oberste Promille der Bevölkerung fast ein Viertel des gesamten Vermögens. Die untere Hälfte dagegen hat so gut wie nichts. Auf der einen Seite verdienen Topmanager Millionen, auf der anderen haben wir einen Billiglohnsektor mit Stundenlöhnen von maximal sieben Euro. Dort arbeitet inzwischen jeder neunte Beschäftigte. Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Wohnbedingungen und in der Gesundheit nieder. Arme sind häufiger krank und sterben durchschnittlich zehn Jahre früher. Maßgeblich verantwortlich sind, so Michael Hartmann, politische Beschlüsse zur Besteuerung von hohen Vermögen und Einkommen sowie die Hartz-Gesetze.



Prof. Dr. Hermann Lübbe Prof. Dr. Hermann Lübbe
Die Werte, die Kultur und das Geld

Sendezeit: So 28.10.2012, 08:00h
Erstausstrahlung: So 06.03.2011


Das Beste, was sich über die Konsequenzen der Finanzmarktkatastrophe sagen ließe, könnte lauten: Wir sind kraft dieser Katastrophe in eine Epoche geldtheoretischer und finanzmarktpolitischer Aufklärung eingetreten, die die Interaktion aller Beteiligten tiefreichend verändern wird. Der Banken wie ihrer Kunden, der Unternehmer wie der Sparer und sonstigen Kleinanleger, der Bonitätsklassifizierungsexperten wie der Investoren und vor allem auch der Staatshaushaltsverantwortlichen, Regierungen und Parteien.



Prof. Dr. Joachim Starbatty Prof. Dr. Joachim Starbatty
Geld verdirbt den Charakter. Wie es zu den Exzessen in der Welt des Geldes gekommen ist

Sendezeit: So 04.11.2012, 08:00h
Erstausstrahlung: So 13.03.2011


Die derzeitige Finanzkrise wird gern auf die Gier und das moralische Versagen in der Banken- und Finanzwelt zurückgeführt. Die Anreizsysteme belohnten risikoreiches Handeln, die großen Zentralbanken stellten dermaßen billiges Geld zur Verfügung, dass kein Zweifel an ewiger Prosperität aufkam. Als schließlich die Blasen platzten, stürzten sie die Finanz- und Realwirtschaft in eine tiefe Depression. Es steht zu befürchten, dass wir noch lange nicht am Ende dieser Durststrecke angelangt sind.



Prof. Dr. Heiner Flassbeck Prof. Dr. Heiner Flassbeck
Wirtschaftskrise – Die gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit

Sendezeit: So 11.11.2012, 08:00h
Erstausstrahlung: So 28.02.2010


Dass die Akteure an den Finanzmärkten aus der Krise gelernt haben, darf wohl bezweifelt werden. Wer die Aktivitäten an den Märkten kritisch beobachtet hat, mag auch den Glauben an die Aufgabe der Politik, Schaden von den Menschen abzuwenden, verlieren. Die Situation der Weltwirtschaft wurde lediglich durch massive staatliche Maßnahmen und zusätzliche Staatsverschuldung abgefangen. Die "Spieler" aber sind längst wieder in den Kasinos. Alle wichtigen Preise der Welt, so Heiner Flassbeck, werden mittlerweile stark von finanziellen Spekulationen beeinflusst oder sogar direkt getrieben.



Prof. Dr. Wilhelm Hankel Prof. Dr. Wilhelm Hankel
Spekulationsblasen in Geschichte und Gegenwart

Sendezeit: So 18.11.2012, 08:00h
Erstausstrahlung: So 07.03.2010


Seit es die moderne Geldwirtschaft gibt, bedrohen immer wieder unvorhergesehene Krisen die Wirtschaft und den Wohlstand der Menschen. Jedes der letzten drei Jahrhunderte hatte „seine“ Finanzkrise. Wilhelm Hankel, bekannt als leidenschaftlicher Euro-Kritiker, beschreibt große Finanzkrisen der Vergangenheit und fragt, was wir daraus lernen können. Denn das 21. Jahrhundert hat kaum begonnen, da bedroht eine diesmal globale Finanzkrise nicht nur Arbeitsplätze und Ersparnisse, sondern sogar die Stabilität der Staaten und ihrer Währungen. Unüberhörbar stellt sich die Frage: Sind Überschuldung des Staates, Inflationierung der Währung, Rettung der Großen in Finanzwelt und Wirtschaft, während Mittelstand und Klein-Unternehmer ungeschützt bleiben, wirklich die richtigen Mittel, um mit derartigen Krisen fertig zu werden?



Prof. Dr. Hans Tietmeyer Prof. Dr. Hans Tietmeyer
Überlegungen zur Internationalen Finanzarchitektur

Sendezeit: So 25.11.2012, 08:00h
Erstausstrahlung: So 21.02.2010


Zu den zentralen Ursachen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise gehören auch die unterschiedlichen nationalen Regeln für die Finanzinstitute. Wohl hat es in den vergangenen Jahrzehnten schon Bemühungen um mehr Gemeinsamkeiten in den Regelwerken gegeben; die unterschiedlichen nationalen Traditionen, Strukturen und Präferenzen haben diesen Ansätzen jedoch bisher zu enge Grenzen gesetzt. Die Globalisierung der Finanzmärkte hat diese Defizite inzwischen zunehmend offen gelegt und zugleich weltweit gefährliche Ansteckungseffekte aufgrund von nicht genügend kontrollierten Risikoanhäufungen ausgelöst. Das internationale Finanzwesen braucht in Zukunft dringend nicht nur eine regelmäßige Überwachung der nationalen Währungspolitiken, sondern auch eine Überwachung der Regelwerke für die am Markt tätigen Finanzinstitute.



Prof. Dr. Miriam Meckel Prof. Dr. Miriam Meckel
Total Recall – Wie das Internet unser Denken und Leben verändert

Sendezeit: So 02.12.2012, 08:00h


Vor zwanzig Jahren gab es noch keine Smartphones, kein Facebook, Youtube oder Google. Kaum jemand hatte eine Vorstellung davon, wie weitreichend die neue Medientechnologie unser aller Leben prägen würde. Heute sind zwanzig Datenpunkte sind ausreichend, um einen Menschen berechnen zu können. Wo wir leben, was wir kaufen, wohin wir reisen, mit wem wir sprechen, was wir mögen, wen wir lieben - all das ist in den Computernetzwerken längst über uns gespeichert und wird so ausgewertet, dass wir vorhersagbar werden. Der Computer weiß, wie wir entscheiden werden, bevor wir das selbst wissen. Wir kaufen Bücher, die Amazon uns vorschlägt, wir hören Musik, die Apple uns empfiehlt, wir befreunden uns mit Menschen, die Facebook für passend hält. Alles wird analysierbar. Aber um welchen Preis?



Prof. Dr. Sigrid Baringhorst Prof. Dr. Sigrid Baringhorst
Politischer Protest im Zeichen digitaler Kommunikation

Sendezeit: So 09.12.2012, 08:00h


Folgt man der Berichterstattung über die grüne Bewegung im Iran, die Revolutionen in Tunesien und Ägypten oder über die Proteste gegen Wahlfälschungen in Russland, so wird oft die zentrale Bedeutung digitaler Medien hervorgehoben. Insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook oder das Kurznachrichtenportal Twitter gelten als maßgebliche Faktoren für eine erfolgreiche Protestmobilisierung. Inwiefern stimmen aber diese Annahmen über die Macht der digitalen sozialen Netzwerke mit der empirischen Realität überein? Mit Rekurs auf neuere Protestkampagnen und –ereignisse in Deutschland werden Besonderheiten netzbasierten Protests dargestellt. Inwiefern ist im Internet ein neues Protestmilieu mit einem neuen Typ von Aktivisten entstanden? Welche inhaltlichen Schwerpunkte zeichnen den Netzaktivismus aus? Verändert sich mit der technischen Struktur der Netzkommunikation auch die Organisations- und Aktionsformen von politischem Protest?



 Andrew Keen Andrew Keen
Zerstört das Web 2.0 unsere Werte?

Sendezeit: So 16.12.2012, 08:00h
Erstausstrahlung: So 06.11.2011


In weniger als zwei Jahrzehnten hat das World Wide Web unsere Welt radikal verändert: E-Mail, Google, Social Media, Online-Shopping, Online-Banking - ein Leben ohne Internet ist heute kaum mehr vorstellbar. In Sekundenschnelle erhalten wir Informationen oder erreichen Menschen überall auf dem Globus. In dieser Sendung gehen Andrew Keen und Daniel Domscheit-Berg der Frage nach, ob wir durch radikale Transparenz und die Möglichkeiten des Web 2.0 tatsächlich verlässliche Informationen und damit die Basis für vernünftige Entscheidungen erhalten.



 Daniel Domscheit-Berg Daniel Domscheit-Berg
Whistleblower – Chancen für eine neue Demokratie im Netz?

Sendezeit: So 16.12.2012, 08:20h
Erstausstrahlung: So 06.11.2011


In weniger als zwei Jahrzehnten hat das World Wide Web unsere Welt radikal verändert: E-Mail, Google, Social Media, Online-Shopping, Online-Banking - ein Leben ohne Internet ist heute kaum mehr vorstellbar. In Sekundenschnelle erhalten wir Informationen oder erreichen Menschen überall auf dem Globus. In dieser Sendung gehen Andrew Keen und Daniel Domscheit-Berg der Frage nach, ob wir durch radikale Transparenz und die Möglichkeiten des Web 2.0 tatsächlich verlässliche Informationen und damit die Basis für vernünftige Entscheidungen erhalten.



Prof. Dr. Dieter Rucht Prof. Dr. Dieter Rucht
Die Occupy-Bewegung

Sendezeit: So 13.01.2013, 08:00h


Die Occupy-Bewegung erlangte mit der Aktion „Occupy Wall Street“ im September 2011 weltweite Aufmerksamkeit. Es folgten Aktionen und Demonstrationen in über 900 anderen Städten in mehr als 90 Ländern. Besonders eindrucksvoll war die Beteiligung in einigen Städten Italiens und Spaniens. Die Bewegung hatte mit ihrem mutig-offensiven und gleichzeitig betont friedfertigen Charakter einen Nerv getroffen. Sie war nicht einer ideologischen Richtung oder gar einer politischen Partei zugeordnet; in ihr manifestierte sich ein breites und grundsätzliches Unbehagen an den herrschenden Verhältnissen. „Was uns verbindet, ist das Thema grundlegender Probleme in unserem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen System, die uns alle betreffen. Wir suchen nach Möglichkeiten, endlich etwas dagegen zu unternehmen. Denn auch wir meinen, dass die negativen Auswirkungen unseres Systems tatsächlich 99% betreffen“, heißt es auf der Webseite von Occupy Germany.



Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix
Deutschland, Frankreich und der Aufbau Europas. Ein Blick auf unsere gemeinsame Geschichte

Sendezeit: So 20.01.2013, 08:00h


Der gemeinsame Beitrag Frankreichs und der Bundesrepublik zum Aufbau Europas seit der Nachkriegszeit war Bestandteil eines Annäherungsprozesses, der auch als Aussöhnung von ehemaligen Erbfeinden bezeichnet wurde. Der europäische Aufbau ist ohne die deutsch-französische Zusammenarbeit nicht zu denken. Er war aber keineswegs nur ein Produkt dieser einmaligen Kooperation, sondern umgekehrt auch ein Beschleuniger der deutsch-französischen Verständigung. Im Laufe der Jahre waren die Beweggründe und Faktoren des gemeinsamen Unternehmens vielfältig. Angesichts der aktuellen Herausforderungen auf europäischer Ebene ist es nützlich, die deutsch-französische Zusammenarbeit historisch einzuordnen. Hélène Miard-Delacroix erklärt in diesem Vortrag, wie sich optimistischer Voluntarismus und Realpolitik in der Entwicklung der beiden Länder verschränkt haben, und wie die besondere Logik dieser Kooperation heute zum gemeinsamen Handeln zwingt.



Prof. Dr. Frank Baasner Prof. Dr. Frank Baasner
Immer noch fremde Freunde? Deutschland und Frankreich 50 Jahre nach dem Elysée-Vertrag

Sendezeit: So 27.01.2013, 08:00h


Aus historischer Perspektive trennen viele Dinge die deutsche von der französischen Gesellschaft. Heute sind die beiden Länder wichtigster Motor und Partner bei den Bemühungen um die Einigung Europas. Der Vortrag geht der Frage nach, ob sich die deutsche und die französische Gesellschaft seit Beginn der europäischen Einigung ähnlicher geworden sind, ob sich die Nachbarn besser kennen als früher. Was hat sich in den letzten 50 Jahren im Alltag der Menschen, in ihrer Wahrnehmung des wichtigsten Partnerlandes verändert? Wie gelingt die deutsch-französische Zusammenarbeit? Haben die vielen deutsch-französischen Institutionen und Initiativen eine neue deutsch-französische Normalität entstehen lassen? Oder sind die beiden Länder immer noch „fremde Freunde“, wie es ein Sammelband von Robert Picht auf den Punkt gebracht hat?



Prof. Dr. Alfred Grosser Prof. Dr. Alfred Grosser
Die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich in der Europa- und Weltpolitik heute

Sendezeit: So 03.02.2013, 08:00h
Erstausstrahlung: So 19.11.1989


Pauschalisierungen sind immer fragwürdig, weil dabei die Feinzeichnung des Individuellen verloren geht. Trotzdem gibt es Eigenheiten und Eigenschaften, die für verschiedene Nationen als charakteristisch gelten dürfen und im politischen wie im menschlichen Miteinander nicht unbedeutend sind. Dieser Vortrag von Alfred Grosser aus dem Jahr 1989 beschreibt - mit Blick auf die damalige Auseinandersetzung mit dem Ostblock und auf Europa 1992 – was die Deutschen und die Franzosen in ihrem Verhältnis zur Geschichte und zu den anstehenden Herausforderungen unterscheidet und was sie verbindet. Alfred Grosser, der durch sein persönliches Schicksal sowohl Deutschland als auch Frankreich verbunden ist, beschreibt scharfsinnig, witzig, ironisch und nachdenklich die beiden Nachbarländer beidseits des Rheins. Seine Ausführungen sind auch heute „ex post“ äußerst interessant.



Prof. Dr. Pierre Bertaux Prof. Dr. Pierre Bertaux
Literarische Wechselspiele zwischen Frankreich und Deutschland

Sendezeit: So 10.02.2013, 08:00h
Erstausstrahlung: So 01.10.1989


Auf politischer Ebene ist die wechselvolle Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich allgemein bekannt – weniger bekannt ist, in wieweit sich die Literaturen der beiden Länder begegnet sind und sich wechselseitig beeinflusst haben. Diese Sendung gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, einem der bedeutendsten französischen Germanisten noch einmal zu begegnen. Pierre Bertaux war nicht nur viele Jahre in der praktischen Politik erfolgreich tätig und in beiden Kulturkreisen zuhause, er war auch ein unermüdlicher Verfechter der deutsch-französischen Verständigung und Autor eines bedeutenden Hölderlin-Buches, mit dem er eine kontroverse Diskussion auslöste. In diesem Vortrag, der kurz vor seinem plötzlichen Tod 1986 aufgezeichnet wurde, beschreibt er unterhaltsam, geistreich und mit tiefer Sachkenntnis die literarischen Wechselspiele zwischen Frankreich und Deutschland im 18. Und 19. Jahrhundert.



Prof. Dr. Ute Planert Prof. Dr. Ute Planert
Nation und Krieg an der Wende zur Moderne: Eine Erfahrungsgeschichte der Umbruchszeit in Südwestdeutschland

Sendezeit: So 17.02.2013, 08:00h
Erstausstrahlung: So 05.03.2000


In den Befreiungskriegen gegen Napoleon und die französische Fremdherrschaft erwachte in Deutschland erstmals ein Nationalgefühl, was schließlich zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 führte. So lesen wir es in den Geschichtsbüchern. Aber wie haben die Menschen diese Umbruchzeit erlebt? Vor allem im Südwesten, wo man zunächst mit Österreich gegen die Franzosen kämpfte, dann in Napoleons Armee eingereiht wurde um schließlich, kurz vor Schluss, noch einmal die Seite zu wechseln und mit den Preußen gegen Napoleon zu kämpfen? Die Bevölkerung litt unter den Kriegen und versuchte Kriegsbelastungen - woher sie auch kamen - abzuwehren. Dr. Ute Planert beschreibt in ihrem Vortrag diese Umbruchzeit in Südwestdeutschland.