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Sommerwiederholungen 15 (19.07.15 - 06.09.15)

Prof. Dr. Hans-Henning Schröder Prof. Dr. Hans-Henning Schröder
„Ein Platz an der Sonne“. Russland als Großmacht in einer multipolaren Welt?

Sendezeit: So 19.07.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 22.02.2015


Das außenpolitische Denken der russischen Führung war im vergangenen Jahr vor allem auf zwei Ideen fixiert: auf Russlands Rolle als Großmacht und Vormacht im eurasischen Raum und auf die USA als notorischen Feind, der versucht, Russland zu schwächen und zurückzudrängen. Allerdings verfügt Russland mit seiner rohstoffabhängigen Wirtschaft und seinem geringen Innovationspotential nicht über die Ressourcen, um glaubhaft die Rolle einer Großmacht zu spielen. Das Integrationsprojekt der „Eurasischen Union“ dient deshalb auch dazu, sich des eigenen Großmachtstatus zu versichern. Durch diesen Anspruch gerät Russland nicht nur mit der Europäischen Union in Konflikt, die mit der östlichen Partnerschaft ihrerseits Integrationsangebote macht, es stößt auch auf Widerstand in den Nachbarstaaten Georgien, Ukraine und Moldau. Aus dieser Konstellation ist der Russland-Ukraine-Konflikt entstanden.



Prof. Dr. Andreas Kappeler Prof. Dr. Andreas Kappeler
Die Geschichte der Ukraine. Konkurrierende Narrative der ukrainischen Geschichte

Sendezeit: So 26.07.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 01.03.2015


Zur Geschichte jedes Landes gibt es unterschiedliche Erzählungen. Das gilt besonders für die Geschichte der Ukraine, die erst seit 23 Jahren ein unabhängiger Nationalstaat ist. Andreas Kappeler stellt in diesem Vortrag ukrainische, russisch/sowjetische, polnische und jüdische Narrative zu Schlüsselfragen der ukrainischen Geschichte vor und stellt sie in den aktuellen politischen Kontext. Diese Perspektiven tragen nicht nur zum Verständnis der ukrainischen Geschichte, sondern auch der ukrainischen Gegenwart bei. Heute stehen sich vornehmlich ukrainische und russisch/sowjetische Interpretationen gegenüber. Beide Seiten bedienen sich historischer Argumente, um ihre Politik zu rechtfertigen.



Dr. Michael Lüders Dr. Michael Lüders
Wer den Wind sät … Was westliche Politik im Orient anrichtet

Sendezeit: So 02.08.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 12.04.2015


Michael Lüders untersucht in seinem Vortrag die Folgen westlicher Politik in der arabisch-islamischen Welt. Er beginnt mit dem von britischen und amerikanischen Geheimdiensten inszenierten Putsch gegen die demokratisch gewählte Regierung von Mossadegh im Iran 1953, die als "Ursünde" westlicher Interventionen in der Region angesehen werden kann. Denn auf Mossadegh folgte die Diktatur des Schah, die wiederum durch die Islamische Revolution 1979 hinweggefegt wurde. Ohne Putsch gegen Mossadegh keine islamische Revolution - in dieser Einschätzung sind sich die Historiker weitgehend einig. Doch der Westen hat aus seinen Fehlern nichts gelernt, wie Lüders aufzeigt. So hatte das Eingreifen in den Krieg in Afghanistan, das 1979 von den Sowjets besetzt worden war, ebenfalls weitreichende Folgen. Aus der Unterstützung für die Mudschahedin, die Glaubenskämpfer, die gegen die Sowjets kämpften, erwuchsen später Al-Qaida und Osama bin Laden. Der Aufstieg des "Islamischen Staates" wiederum ist nicht zu erklären ohne die US-geführte Militärintervention zum Sturz Saddam Husseins 2003.



 Jörg Armbruster Jörg Armbruster
Brennpunkt Nahost. Die Zerstörung Syriens und das Versagen des Westens

Sendezeit: So 09.08.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 08.03.2015


Im Frühjahr 2011 begannen Teile der arabischen Jugend, sich gegen die politische Ordnung in ihren Ländern aufzulehnen. Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien, Bahrain – kein Land schien immun gegen den Unmut der Jugend. Dabei ist der Aufstand der Syrer, der begann, nachdem die Aufstände in den anderen Ländern bereits politische Folgen gezeitigt hatten, zum arabisch-iranischen Stellvertreterkrieg des Nahen Ostens geworden. Inzwischen leiden die Menschen in Syrien unter einem blutigen Bürgerkrieg. In seinem Vortrag wird der ehemalige ARD-Korrespondent Jörg Armbruster analysieren, welche politischen Kräfte auf die Konflikte einwirken und warum die Region seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe kommt.



 Karen Armstrong Karen Armstrong
Im Namen Gottes. Religion und Gewalt

Sendezeit: So 16.08.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 31.05.2015


„Es kommt nicht darauf an, ein gläubiger Mensch zu sein. Sondern es kommt darauf an, ein guter Mensch zu sein.“ Quer durch die Geschichte der Menschheit waren religiöse Überzeugungen für zahlreiche Kriege und Grausamkeiten aller Art verantwortlich. Karen Armstrongs Blick reicht von den frühen Hochkulturen in Indien, China und Israel über den Einfluss der Religion auf die mittelalterlichen Großreiche des christlichen und islamischen Kulturkreises bis zu den Konflikten der neuzeitlichen Nationalstaaten und den religiösen Verwerfungen der Gegenwart. Religionen stehen trennend zwischen Menschen, Völkern und Kulturen. Sie sind Quelle von Konflikten, nicht das Mittel zu ihrer Überwindung. Dabei, so Karen Armstrong, teilen alle Weltreligionen den universellen ethischen Anspruch auf Mitgefühl, Achtsamkeit und Nächstenliebe. Alle verbindet eine einfache und wirkungsvolle Botschaft: Behandle deinen Nächsten so, wie du selbst behandelt werden möchtest!



Prof. Dr. Arno Gruen Prof. Dr. Arno Gruen
Gespaltenes Bewusstsein. Empathie versus Kognition

Sendezeit: So 23.08.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 19.10.2014


Wir leben in einer zunehmend durchkonstruierten Welt, die von Kampf, Wettbewerb, Profit und Isolation bestimmt ist. Die Errungenschaften von Wissenschaft, Technik und Informatik beeinflussen und dominieren uns. Wir glauben, unser Denken sei realistisch, wenn es von Emotionen befreit ist. Aber Denken ohne Gefühl, so der Psychoanalytiker und Gesellschaftskritiker Arno Gruen, führt in eine Scheinwelt aus Abstraktionen. Es macht uns unfähig, unsere Wirklichkeit unmittelbar und mitfühlend wahrzunehmen. Indem das abstrakte Denken, also das Kognitive, zunehmend das Empathische in uns verdrängt, entfernen wir uns immer weiter von dem Gefühl der Verbundenheit mit dem Leben.



 Wilhelm Reichart Wilhelm Reichart
Lebenssinn. Eine philosophische Orientierung

Sendezeit: So 30.08.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 18.01.2015


Seinem Leben Sinn zu verleihen ist von jeher ein Bestreben des Menschen gewesen. Dem heutigen Menschen scheint die Überzeugung abhanden gekommen zu sein, dass diese Sinnverleihung einer eigenen Anstrengung bedarf. Daran gewöhnt, alles als Ware offeriert zu bekommen, fällt es schwer, die Anstrengung des Sinnsuchens auf sich zu nehmen. Dem entgegen steht der zunehmende Wunsch des Menschen, sich in seinem Leben zu orientieren und es sinnvoll zu gestalten. Wilhelm Reichart hat Philosophie, Soziologie und Germanistik an der Universität Würzburg studiert und eine Ausbildung zum Buchhändler absolviert. Er ist in Heidelberg in eigener philosophischer Praxis als Berater tätig.



Dr. Rebekka Reinhard Dr. Rebekka Reinhard
Die Kunst des Irrens. Oder: Der Umweg ist das Ziel

Sendezeit: So 06.09.2015, 07:30h
Erstausstrahlung: So 07.12.2014


In unserer Zeit scheinen Perfektionismus, Ziel- und Lösungsorientierung der Weisheit letzter Schluss zu sein. Von klein auf werden wir auf Effizienz und Effektivität eingeschworen und systematisch darauf trainiert, Unwägbarkeiten auszuschalten. Die Ironie besteht darin, dass das völlig unmöglich ist - weil das Leben per Definition unwägbar und unkontrollierbar ist. Der homerische Held Odysseus erinnert uns daran, dass der Sinn des Lebens nicht darin liegt, zeitnah unsere Zielvorgaben zu erreichen, sondern darin, zu staunen und am Ende diese Welt ein wenig weiser zu verlassen, als wir sie betreten haben. Rebekka Reinhard plädiert in diesem Vortrag dafür, neugierig zu bleiben, sich auf Nicht-Alltägliches einzulassen und sich mit der eigenen Unvollkommenheit, vielleicht sogar mit dem Scheitern anzufreunden.