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Referenten alphabetisch

1. Halbjahr 18 (25.02.18 - 15.07.18)

Prof. Dr. Stefan Marschall Prof. Dr. Stefan Marschall
Alte Lügen – neue Lügen. Vom Verlust der Wahrheit in der postfaktischen Demokratie

Sendezeit: So 25.02.2018, 07:30h


Lügen hat es in der Politik schon immer gegeben. Dennoch kann man den Eindruck gewinnen, dass sich das politische Lügen in den letzten Jahren drastisch gewandelt hat. So zeigt die Konjunktur von Begriffen wie „postfaktisch“ oder „alternative Fakten“, dass die Wahrheit in der Politik unter Druck geraten ist. Tatsächlich sind wir in der Politik mit einem neuen Lügenphänomen konfrontiert, das sich von der alten politischen Lüge maßgeblich unterscheidet. Auf der technischen Seite unterstützen die Möglichkeiten der Sozialen Netzwerkmedien wie Facebook und Twitter diese neue Form der politischen Lüge und befördern damit Populismus aller Art. Für die Demokratie ist das ein Problem. Aber es gibt auch Hoffnung: eine Gegenbewegung, die die Ehrlichkeit der Politik wieder in den Mittelpunkt stellt und kritisch mit der Informations- und Lügenflut umgeht …



Dr. Guido Steinberg Dr. Guido Steinberg
Islamistischer Terror in Deutschland

Sendezeit: So 04.03.2018, 07:30h


Im Jahr 2016 erlebte Deutschland, wie sich die Sicherheitslage dramatisch verschlechterte. Islamistische Terroristen verübten fünf Anschläge, und die deutschen Sicherheitsbehörden vereitelten bis zu sieben weitere. Seinen traurigen Höhepunkt erreichte diese Terrorwelle im Dezember 2016, als der Tunesier Anis Amri einen Lastwagen in einen Berliner Weihnachtsmarkt steuerte und zwölf Menschen tötete. Guido Steinberg sucht in diesem Vortrag nach den Ursachen der Eskalation der Gewalt. Nach einem Überblick über die Geschichte der Organisation Islamischer Staat beschreibt er die Entwicklung der deutschen jihadistischen Szene, die seit 2012 in nie gekanntem Tempo gewachsen ist. Seine Spurensuche geht zurück auf die Unruhen des arabischen Frühlings 2011 und die Schwächung zahlreicher Staaten dort. Er erläutert die Bedeutung der darauf folgenden Flüchtlingswelle für die Sicherheitslage in Deutschland. Kritische Worte findet er vor allem für die Reaktionen der deutschen Politik. Sein Ausblick in die Zukunft gibt zu denken …



 Sascha Adamek Sascha Adamek
Scharia-Kapitalismus

Sendezeit: So 11.03.2018, 07:30h


Der radikale Islamismus sieht sich als Todfeind des Westens und seiner Lebensweise. Dennoch betreibt Deutschland jährlich Handel im Wert von 58 Milliarden Euro mit Staaten, deren Rechtssystem überwiegend auf der Scharia beruht. Sascha Adamek zeigt in diesem Vortrag die Verbindungen auf, die Konzerne, Banken und Politik mit dem gewaltbereiten Islamismus unterhalten. Sein erschreckendes Fazit: Den Kampf gegen unsere Freiheit finanzieren wir selbst mit!



Dr. Michael Lüders Dr. Michael Lüders
Die den Sturm ernten. Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte

Sendezeit: So 18.03.2018, 07:30h


Assad und seine Verbündeten sind verantwortlich für die Katastrophe in Syrien – so lautet die Mehrheitsmeinung. Doch freigegebene Geheimdienstdokumente und geleakte E-Mails von Entscheidungsträgern zeigen, so Michael Lüders, dass Assad dem Westen schon lange vor Beginn des Krieges im Jahr 2011 ein Dorn im Auge war. Westliche Kräfte versuchten gezielt, Assad zu entmachten. Und Europa erlebt gegenwärtig die Kehrseite dieser Politik des Regimewechsels: Flüchtlingsströme und eine erhöhte Terrorgefahr durch radikale Islamisten.



Prof. Dr. Martin Korte Prof. Dr. Martin Korte
Wir sind Gedächtnis. Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind

Sendezeit: So 25.03.2018, 07:30h


86 400 Sekunden hat ein Tag, und in jeder Sekunde verarbeiten wir Sinneswahrnehmungen, speichern neues Wissen und erinnern uns an Vergangenes. Es erscheint uns selbstverständlich, dass wir den Alltag meistern, ohne von der Informationsflut überwältigt zu werden. Aber dass uns dies gelingt, verdanken wir einer Meisterleistung der Natur: unserem Gedächtnis. Der Hirnforscher Martin Korte beschreibt in diesem Vortrag, wie vielfältig das Gedächtnis unser Denken und Handeln bestimmt – und wie wandelbar unsere Erinnerungen sind, die bei jedem Abrufen neu konstruiert werden. Er erläutert die unbewussten Seiten des Gedächtnisses, die etwa unsere Intuition und Routinehandlungen steuern, und erklärt, warum Schlaf und Vergessen so essentiell für unsere Gedächtnisprozesse sind. Erinnerungen, so Martin Korte, sind nicht nur eine Anhäufung von Wissen und Einzelheiten unserer Autobiographie, sondern der Stoff, aus dem unsere Identität gemacht ist.



Prof. Dr. Eva Jaeggi Prof. Dr. Eva Jaeggi
Wer bin ich? Frag doch die anderen!

Sendezeit: So 08.04.2018, 07:30h


In diesem Vortrag geht Eva Jaeggi der faszinierenden Frage nach, wie die Identität eines Menschen entsteht. Vor dem Hintergrund neuester psychologischer Theorien erklärt sie, auf welche Weise Einflüsse von außen, Zuschreibungen von Eltern, Partnern, Freunden oder Kollegen, aber auch Status oder Beruf unsere Identität maßgeblich formen und auch immer wieder verändern können. In einer Zeit, in der feste Rollen und vorgezeichnete Lebenspfade kaum mehr existieren, scheinen wir die anderen mehr denn je zu brauchen, um herauszufinden, wer wir wirklich sind.



Prof. Dr. Hartmut Rosa Prof. Dr. Hartmut Rosa
Sinnsuche und Resonanzbedürfnis

Sendezeit: So 15.04.2018, 07:30h


Sowohl in der Philosophie als auch in der Soziologie hat die Diagnose, die Moderne trockne nach und nach die „Sinnressourcen“ der Gesellschaft aus und führe die Menschen in Sinnkrisen, eine lange Tradition. Menschen erfahren ihr Leben als sinnvoll, wenn sie sich mit der Welt – mit anderen Menschen, mit der Natur, mit ihrer Arbeit, mit ihrer Umgebung – lebendig verbunden fühlen. Anders ausgedrückt: wenn sie Resonanz erleben und die Welt zu ihnen spricht. Ob wir in einer Resonanzbeziehung mit der Welt leben können oder nicht, hängt allerdings nicht nur von uns selbst ab. Es bedarf eines entgegenkommenden „Resonanzraumes“, der zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen hat. Wo wir institutionell in „stumme“, instrumentelle Verhältnisse gezwungen werden, erfahren wir unser Leben als entfremdet und eben deshalb oft auch als sinnlos.



Dr. Martin Altmeyer Dr. Martin Altmeyer
Das Internet – ein Resonanzsystem

Sendezeit: So 22.04.2018, 07:30h


Offenbar hat die digitale Moderne nicht nur das Alltagsleben durchdrungen, sondern auch die Mentalität ihrer Bewohner. Im Zeitalter des Internet scheint das Seelenleben vom Wunsch nach zwischenmenschlicher Kommunikation bestimmt, von einer Sehnsucht nach Spiegelung, nach einem Echo aus der Lebenswelt, vom Verlangen danach, von anderen Menschen gesehen und gehört zu werden. Unaufhörlich sind wir am twittern, chatten, mailen, bloggen, hashtaggen, googeln und downloaden. Wir posten und posen, was das Zeug hält. Wir stellen unsere Selfies ins Netz oder verschicken sie über soziale Medien. Eifrig füllen wir unsere Facebook-Seiten oder bedienen uns der Bildtechniken von Instagram. Begeistert schauen sich Jugendliche und Heranwachsende auf ihren Laptops TV-Casting- und Realityshows an oder nehmen selbst daran teil. Ständig schauen sie auf ihr Smartphone, um ja nicht die neueste SMS zu verpassen oder eine WhatsApp-Nachricht, die umgehend beantwortet wird. Warum tun sie das alles? Aus narzisstischen Motiven? Weil Aufmerksamkeitssucht und Kommunikationsgier sie dazu treiben? Weil sie manipuliert und medienabhängig gemacht werden, wie Zeitgeistkritiker gerne behaupten? Sie tun das aus einem einfachen Motiv: weil sie auf der Suche nach Umweltresonanz sind, weil die Befriedigung von Resonanzbedürfnissen von Geburt an und ein Leben lang zur Identitätsbildung beiträgt.



Prof. Dr. Ernst Peter Fischer Prof. Dr. Ernst Peter Fischer
Nach den Genen. Der Abschied vom alten Erbgut

Sendezeit: So 29.04.2018, 07:30h


Die wissenschaftliche Genetik hat enorme Fortschritte gemacht. Lange hielt man Gene für feste Einheiten der im Erbgut enthaltenen Erbinformationen. Doch die Vorstellung, Gene hätten einen festen Ort und klar definierte Aufgaben, ist nach neuesten Erkenntnissen überholt. Wer das Leben und seine technische Beeinflussbarkeit verstehen will, muss sich von diesem traditionellen Bild der Gene verabschieden und sie eher als bewegliches, in ständigem Wandel befindliches System begreifen. Ernst Peter Fischer beschreibt in diesem Vortrag anschaulich und unterhaltsam, wie sich das moderne Bild der Gene im Lauf der Zeit entwickelt hat.



Prof. Dr. Harald Lesch Prof. Dr. Harald Lesch
Die Menschheit schafft sich ab

Sendezeit: So 06.05.2018, 07:30h


Seit 4,5 Milliarden Jahren zieht die Erde ihre Bahn um die Sonne. Das Leben entwickelte sich später, und erst seit rund 160.000 Jahren gibt es den aufrecht gehenden Homo sapiens. Mit Ackerbau und Viehzucht, Rodungen und Bewässerung griff er in die Natur ein, vermehrte sich und besiedelte selbst entlegenste Gegenden. In den letzten 2000 Jahren hinterließ das „Anthropozän“ immer tiefere Spuren. Wissenschaft und Technik haben seit der Industriealisierung die Erde fest im Griff. Sei es die Ausbeutung der Bodenschätze, die Verpestung der Lufthülle, die Veränderung des Klimas, Wasserverschmutzung bis zur Kernspaltung oder unsere ausufernde Wohlstands-Verschwendungssucht. Energiehunger und virtuelles Kapital treiben einen zerstörerischen Kreislauf an. Und dabei werden wir immer mehr ... Wie können wir diesen Teufelskreis durchbrechen?



Prof. Dr. Randolf Rausch Prof. Dr. Randolf Rausch
Wie knapp wird unser Wasser? Eine Analyse der Weltwassersituation

Sendezeit: So 13.05.2018, 07:30h


Die Wüsten rücken vor, die Grundwasserspiegel sinken, Flüsse und Seen trocknen aus und unser Trinkwasser wird knapp. Schreckensmeldungen zum Thema Wasser sind fast alltäglich. Sie münden in Warnungen vor einer weltweiten Wasserkrise und vor Kriegen um das wichtigste Lebensmittel der Menschheit. Wie seriös sind solche Szenarien? Müssen wir sie ernstnehmen oder gehören sie eher in das „bad news are good news“-Denken vieler Medien? Der Hydrogeologe Randolf Rausch beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dieser Problematik. Sein Vortrag erläutert die globale Wassersituation, die gegenwärtige und zukünftige Wasserknappheit als Folge des Bevölkerungswachstums, des Klimawandels und der nicht nachhaltigen Nutzung unserer Wasserressourcen. Und er beschreibt Ansätze und Lösungen, um die zukünftigen Herausforderungen meistern zu können.



Prof. Dr. Ulf Riebesell Prof. Dr. Ulf Riebesell
Ozeanversauerung

Sendezeit: So 27.05.2018, 07:30h


Als „das andere Kohlendioxid-Problem“, als „böser kleiner Bruder der globalen Erwärmung“ ist die Ozeanversauerung bekannt geworden – eine chemische Veränderung, die ausgelöst wird, wenn sich Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre im Meerwasser löst. Etwa ein Drittel des menschengemachten CO2 hat der Ozean bereits aufgenommen. Einerseits bremst die CO2-Aufnahme den globalen Klimawandel. Andererseits beeinflusst sie das Leben und die Stoffkreisläufe im Ozean. Die Artenvielfalt im Meer und wichtige Dienstleistungen der marinen Ökosysteme für uns Menschen sind bei fortschreitender Ozeanversauerung bedroht. Um diesen Prozess zu stoppen, müssen die im Pariser Klimaabkommen gesteckten Ziele, die globale Erwärmung auf unter 2°C zu begrenzen und damit auch die Ozeanversauerung in einem moderaten Bereich zu halten, dringend eingehalten werden.



Prof. Dr. Peter Berthold Prof. Dr. Peter Berthold
„Wie viel‘ Vögel sind noch da?“ Jeder Gemeinde ihr Biotop

Sendezeit: So 03.06.2018, 07:30h


Vögel faszinieren uns auf vielfältige Weise. Aber sie sind nicht nur zauberhafte Mitgeschöpfe, sie sind auch wichtige Bioindikatoren für die Qualität der Lebensräume auf der Erde. Ihr zunehmendes Verschwinden zeigt uns, dass es um ihre und unsere Umwelt nicht gut bestellt ist. Und obwohl Vogelschützer schon lange warnen, nimmt die Öffentlichkeit erst seit kurzem wahr, dass ein essentieller Teil der Natur im Begriff ist zu verschwinden. Von 1800 bis heute beträgt der Gesamtverlust an Vögeln in Deutschland unglaubliche 80 Prozent. Selbst Arten wie Sperling, Fink, oder Star sind betroffen. Denn sie finden nicht mehr genug Nahrung, da die Insekten ebenso dramatisch aussterben und artenreiche Weiden, Wiesen, Feldränder ebenso verschwinden wie die zum Brüten notwendigen Baumhöhlen und Hecken. Peter Berthold beschreibt, was wir alle konkret tun können, um das Vogelsterben aufzuhalten.



Prof. Dr. Dieter Borchmeyer Prof. Dr. Dieter Borchmeyer
Weimar – Bayreuth – Heidelberg. Kulturstadt in der Provinz

Sendezeit: So 10.06.2018, 07:30h


Zu den Merkwürdigkeiten der deutschen Kulturgeschichte gehört, dass es immer wieder die Provinz war, aus der die bedeutendsten deutschen Kulturleistungen hervorgegangen sind. Nicht die Metropolen, sondern die kleinen Residenz- oder Universitätsstädte waren oft die eigentlichen Kulturstädte. Das Musterbeispiel ist Weimar, das politisch bedeutungslose Herzogtum, das einmal den Nabel unserer geistigen Welt bildete. Und Richard Wagner hat seine Festspiele ganz bewusst in einen „Winkel“, das politisch und gesellschaftlich noch bedeutungslosere Bayreuth verlegt. Im frühen 20. Jahrhundert wuchs Heidelberg zu einem geistigen Zentrum von internationaler Ausstrahlung, zu einem „Weltdorf“ empor. Weltkultur in provinzialem Rahmen! Diesem spezifisch deutschen Paradox geht Dieter Borchmeyer in seinem Vortrag nach.



Prof. Dr. Gerhard Poppenberg Prof. Dr. Gerhard Poppenberg
Paris. Metropole der Moderne

Sendezeit: So 17.06.2018, 07:30h


Paris – Metropole der Moderne Der Vortrag beschreibt nicht eine Geschichte der Stadt in der Moderne, sondern er stellt an Hand von ausgewählten literarischen Texten Paris als einen symbolischen Ort vor, an dem zentrale Fragen der Moderne artikuliert worden sind. Die Formulierung von Paris als „Metropole der Moderne“ lehnt sich an die berühmte Formel von Walter Benjamin an, der Paris als „Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet hat. Der Vortrag beginnt mit Rousseaus Darstellung der Stadt Paris in seinem Roman Julie oder die Neue Heloise. Der Hauptteil befasst sich mit Paris-Bildern des 19. Jahrhunderts. Dabei geht es vor allem um konzeptuelle Deutungen des Phänomens der modernen Großstadt. Balzac spricht in der Menschlichen Komödie von der Großstadt als Hölle. Baudelaire entwickelt das Konzept der Stadtlandschaft und führt den Flaneur als eine konzeptuelle Figuration des städtischen Lebens ein. Und Walter Benjamin hat die Pariser Passagen – frühe Formen von Kaufhaus, Shopping Mall und Fußgängerzone – als Inbegriff der modernen Großstadt gedeutet. Ein Ausblick ins 20. Jahrhundert stellt das Paris-Bild der Surrealisten vor.



Prof. Dr. Norbert Greiner Prof. Dr. Norbert Greiner
London. Von »Rule, Britannia!« zu »Cool Britannia!«

Sendezeit: So 24.06.2018, 07:30h


In „Momentaufnahmen“ an vier Jahrhundertwenden – 1600, 1700, 1900 und 2000 – zeichnet sich der Aufstieg Londons zur Kulturmetropole Europas ab. Eine bereits ausgeprägte Bürgerkultur im „Goldenen Zeitalter“ unter Elizabeth I fördert die Entwicklung öffentlicher Theater, in denen besonders die Dramen Shakespeares zum Verhandlungsort der Zeitfragen werden. Der Gedanke der Öffentlichkeit kennzeichnet das geistige Leben der Metropole auch ein Jahrhundert später, wenn die von einer ausgeprägten Kaffeehauskultur getragenen Wochenschriften, satirische Schriften und die ersten bürgerlichen Romane Großbritannien zum „Modellfall“ einer modernen Öffentlichkeit (Habermas) machen. Die Metropole wird zu einem kulturellen und politischen Bezugspunkt für Europa. Zwei Jahrhunderte später geht Großbritannien dem Ende seines imperialen Zeitalters entgegen. Erste Zweifel an den tradierten Quellen kollektiver Identität und zunehmende Skepsis gegenüber dem urbanen Kulturraum finden ihren literarischen Niederschlag. Das Millennium bietet schließlich weiteren Anlass zur Selbstbesinnung. Aus verschiedenen Blickwinkeln setzt sich die Literatur mit den Folgen des Niedergangs der britischen Vormachtstellung auseinander: Die literarischen Selbstvergewisserungen stellen die alten Identitätsangebote in Frage und arbeiten sich an einer Neudefinition von „Britishness“ ab.



 Martin Mosebach Martin Mosebach
Wiedersehen mit Rom

Sendezeit: So 01.07.2018, 07:30h


Der Titel der „ewigen Stadt“ bewährte sich. Oder reisen die Millionen jedes Jahr hierher, um eine Leiche zu besichtigen? Was sie hier suchen, mögen viele selber nicht so genau wissen, aber das macht diese nicht abreißende Ameisenwanderung noch geheimnisvoller. Es gibt keinen Ort, der durch einen solchen Zustrom nicht ruiniert würde, aber von Rom sind wir geneigt zu glauben, dass es unzerstörbar sei, weil es alles Schlimme schon vielfach hinter sich hat. Das Wunder Rom besteht weniger in seinen zahlreichen Untergängen als in seinen Auferstehungen. Wer einen Blick für die epochenübergreifende lange Dauer entwickelt hat, der wird sie auch heute in Rom finden.



 - Gesprächskonzert - - Gesprächskonzert -
Weimar am Pazifik. Los Angeles als Kultur- und Musikstadt des Exils

Sendezeit: So 08.07.2018, 07:30h


Silvia Hauer (Mezzosopran) / Gerold Huber (Klavier) / Prof. Dr. Dieter Borchmeyer (Moderation) ------- In dem Jahrzehnt zwischen 1940 und 1950 war Los Angeles die heimliche Hauptstadt der deutschen und österreichischen Exilkultur. Dort wurden einige der bedeutendsten deutschsprachigen Romane, Bühnenwerke und Gedichte verfasst. Man denke an Thomas Mann, Alfred Döblin, Berthold Brecht oder Franz Werfel. Adorno und Horkheimer schrieben ihre Dialektik der Aufklärung. Und die Musiker, Komponisten, Regisseure? Arnold Schönberg , Erich Korngold, Ernst Krenek, Hanns Eisler, Bruno Walter, Otto Klemperer, Max Reinhardt … Ganz zu schweigen von den großen Filmregisseuren wie Ernst Lubitsch, Fritz Lang oder Billy Wilder. Das hier aufgezeichnete Konzert stellt Komponisten vor, die in Los Angeles lange ihren Lebensmittelpunkt gefunden hatten, bis dann die Mc Carthy-Periode dieser Blüte ein jähes Ende bereitete. Gerold Huber ist ein gefragter Pianist und arbeitet mit einer Vielzahl international renommierter Sänger zusammen. Er gibt Meisterklassen, z.B. an der University of Yale, dem Aldeburgh Festival und den Schwetzinger Festspielen. Seit 2013 ist er Professor für Liedbegleitung an der Hochschule für Musik in Würzburg. Silvia Hauer war bereits als Schülerin Jungstudentin an der Musikhochschule Karlsruhe. Sie ist Bundespreisträgerin bei Jugend Musiziert und mehrfache Stipendiatin, u.a. der „Studienstiftung des Deutschen Volkes“. Nach Gastengagements an der Komischen Oper Berlin, am Theater Heidelberg und an der Bayerischen Staatsoper ist sie seit der Spielzeit 2015/16 Ensemblemitglied des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.



Prof. Dr. Martin Zimmermann Prof. Dr. Martin Zimmermann
Troia. Der Mythos einer Stadt und die europäische Kultur

Sendezeit: So 15.07.2018, 07:30h
Erstausstrahlung: So 22.06.2008


Die homerischen Epen Ilias und Odyssee markieren den Beginn der europäischen Literatur. Sie bildeten für Jahrhunderte den Referenzpunkt für die antiken Gesellschaften. In den Dichtungen hatte Homer den Griechen und den Römern eine verbindende Frühgeschichte geschaffen. Die Stadt Troia war daher spätestens seit der klassischen Zeit ein besonderer Ort der Imagination. Die Dichtungen hatten zwar eine fiktive Geschichte erzählt, aber der Wunsch den frühen Mythen einen Ort zu geben und sie zugleich als Stadt zu visualisieren, spielte in der Antike eine wichtige Rolle. Troia wurde zu der Stadt, in der alle antiken Gemeinwesen ihre gemeinsame Vergangenheit lokalisierten. Der Vortrag veranschaulicht, wie Texte, archäologische Zeugnisse und eine sich wandelnde Erinnerungskultur verschmelzen und immer neue Vorstellungen von einer mythischen Stadt erzeugen.