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März 2013

Dr. Till Bastian Dr. Till Bastian
Krise und Medizin

Sendezeit: So 03.03.2013, 08:00h


Unter einer Krise verstehen wir heute, wo Krisen aller Art so rasch aufeinander folgen, dass sie ineinander überzugehen scheinen, einen misslichen Zustand, eine Störung, die möglichst schnell beseitigt oder behoben werden muss. Die Chance, die in einer Krise liegen kann, wird bei dieser Betrachtung ebenso wenig berücksichtigt wie der Aspekt der vorbeugenden Vermeidung krisenhafter Entwicklungen. Die Vielzahl heutiger persönlicher Lebenskrisen ist nach Ansicht von Till Bastian auch Folge von Ich-Verlust und innerer Leere in einer „seelenlosen Gesellschaft“. Die Medizin, so führt er aus, solle angesichts dieser Situation einerseits bescheidener auftreten, aber andererseits dort, wo soziale Einmischung im Sinne des Vorbeugeprinzips gefragt wäre, mehr Engagement zeigen. Denn, so der Hamburger Armenarzt Salomon Neumann 1847: „Die medizinische Wissenschaft ist in ihrem innersten Kern und Wesen eine soziale Wissenschaft“.



Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf
Schmerz und Medizin

Sendezeit: So 10.03.2013, 08:00h


Menschen mit Schmerzen erwarten medizinische Hilfe. Und die Medizin hat heute für den Hilfesuchenden eine Vielzahl diagnostischer und therapeutischer Angebote. Dabei haben unsere Ansprüche an Schmerzbefreiung oder zumindest Schmerzlinderung stark zugenommen, und im gleichen Maße sind die medizinischen Schmerz-Leistungen angestiegen. Eine Eskalation der Mittel ist festzustellen, aber der Schmerz bleibt. Spontanverläufe und andere Bewältigungsmöglichkeiten verschwinden hinter einer allgegenwärtigen Medikalisierung und dem Anspruch, das Leben müsse frei von Schmerz sein. Fast unbemerkt hat bei dieser Entwicklung das gesellschaftliche Leiden am Schmerz zugenommen.



Prof. Dr. Wolfgang Herzog Prof. Dr. Wolfgang Herzog
Droge Arzt – menschliche Beziehung als Wirkfaktor in der Medizin

Sendezeit: So 17.03.2013, 08:00h


Studien haben gezeigt, dass beispielsweise Diabetes-Patienten weniger Krankenhausaufnahmen wegen akuter Komplikationen haben, wenn sie von Ärzten mit der Fähigkeit zu großer Empathie behandelt werden, als Patienten, die einen weniger empathischen Hausarzt haben. Eine Vielzahl ähnlicher Befunde wirft die Frage nach der Rolle von Beziehungen in der Medizin auf: Was bewirkt menschliche Beziehung in der Medizin und wie geschieht das? Wolfgang Herzog beschreibt in diesem Vortrag Methoden und Modelle, die es erlauben, biologische, psychologische und soziale Wirkfaktoren in ihrem wechselseitigen Bezug aufeinander zu beschreiben. Dabei werden auch mögliche „Nebenwirkungen“ ärztlicher Empathie betrachtet.



Dr. Gunter Frank Dr. Gunter Frank
Der getriebene Patient – Irrwege der Medizin und des modernen Lifestyles

Sendezeit: So 24.03.2013, 08:00h


Medizin wird von Patienten heute zweigeteilt wahrgenommen. Hier die nur reparierende Schulmedizin, dort die ganzheitliche alternative Medizin. Dabei fällt auf, dass die psychovegetativen Beschwerden insgesamt in der ärztlichen Sprechstunde deutlich zunehmen, und dass keine der beiden Richtungen dafür Antworten kennt. Der Schlüssel, so Gunter Frank, ist vielmehr in einem richtigen Umgang mit Stress zu suchen. Unser Lebensstil strapaziert das vegetative Alarmsystem und blockiert den Selbstzugang zu den tieferen emotionalen Zentren des Gehirns. Dies wird von vielen Menschen als getriebenes, fremdgesteuertes Lebensgefühl wahrgenommen. Die Angstszenarien eines risikozentrierten Verständnisses von gesundem Leben verstärken diesen Prozess. Dabei werden wissenschaftliche Daten mit dem Ziel missbraucht, den Kundenstamm für medizinische Angebote zu vergrößern. Gunter Frank fordert einen redlichen Umgang mit Normwerten, Richtlinien und Studien, damit moderne Patienten nicht mit Angst und Katastrophenszenarien manipuliert und beunruhigt werden.