30 Jahre Tele-Akademie!

Wolfgang Gushurst, Monika Presting, Paul KirchhofSie ist ein Dauerläufer in der deutschen Fernsehlandschaft. Nicht ganz so lange am Start wie der „Tatort“ oder die „Sendung mit der Maus“, aber ebenso verlässlich für ihr Publikum: Die TELE-AKADEMIE!

1987 fällt im damaligen Südwestfunk der Startschuss. Philosophen, Historiker, Physiker, Querdenker aus allen Wissensgebieten sprechen zu brennenden Themen unserer Zeit. Für 45 Minuten bringt diese Sendereihe jeden Sonntag den Hörsaal ins Wohnzimmer. Öffentlich-rechtliches Fernsehen im besten Sinn. In ihrem Jubiläumsjahr strahlt die TELE-AKADEMIE heller denn je: Ihr Zuschauerkreis wächst. Denn die Sendung hat sich auch in den sozialen Medien einen festen Platz erobert und erreicht damit vermehrt auch ein neues, jüngeres Publikum.

Ein Pult. Ein Mikrophon. Ein Redner. Puristisch – und das ganz bewusst. Die Konzentration liegt nur auf Inhalt und Vortrag. Jemand spricht zu uns, schaut uns an, verlangt unsere Aufmerksamkeit. „Eine Insel des Wortes in einem Meer der Bilder“, so beschreibt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler die TELE-AKADEMIE. Ein bestechendes Konzept, das über drei Jahrzehnte hinweg nichts von seiner Schlagkraft eingebüßt hat.

Alte Aula, Universität HeidelbergHirnforschung, Kinderarmut, Europa, Klima, der Nahe Osten, aber auch Sport, Architektur oder Essgewohnheiten – die Themenvielfalt ist groß. Experten sprechen unredigiert und tauchen dabei tief in ihr Thema ein. Anstrengend? Vielleicht. Aber immer bereichernd und ein rares Gut in der kurzatmigen Medienwelt. Über mehrere Wochen hinweg wird ein gesellschaftlich relevantes Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. So hat der Zuschauer die Möglichkeit, sich selbst zu positionieren.

Der vertiefende Blick auf aktuelle Fragen und die Teilhabe an wissenschaftlichen Diskussionen wird von vielen geschätzt. Von Menschen, die Orientierung suchen, die mit- und weiter denken wollen. Fundierte Denkanstöße nicht nur für das treue Stammpublikum sonntags an den Bildschirmen; über das Online-Angebot tele-akademie.de, über die SWR-Mediathek und auf dem ARD-YouTube-Kanal erschließt sich die Sendung neue Zuschauer. Sie ist längst lebendiger Teil einer modernen Wissens-Community geworden, die teilt und verlinkt - und trägt so mehr denn je zum gesellschaftlichen Diskurs bei. Damit verwirklicht die TELE-AKADEMIE den Kerngedanken öffentlich-rechtlichen Fernsehens: Vermittlung von Kultur, Bildung und Information.

Redakteurin Monika Presting gestaltet die Sendereihe seit zwanzig Jahren mit viel Herzblut und Energie. „Der Bezug zur Gegenwart ist mir wichtig, “ sagt sie, „das, was uns heute bewegt und auf den Nägeln brennt - kein Elfenbeinturm.“ So kommt der ChaosComputerClub ebenso zu Wort wie der Medientheoretiker Peter Weibel, der zeigt, wie Digitalisierung unser Leben verändert.

Monika Presting profitiert von zahlreichen Kontakten und dem guten Ruf der Sendung. Wo und wen auch immer sie anfragt, ausgezeichnete wissenschaftliche Institutionen, berühmte Persönlichkeiten oder Nobelpreisträger, sie kennen und schätzen die TELE-AKADEMIE und nehmen gerne teil.

Paul KirchhofAuch zum dreißigsten Jubiläum wird das Programm einen Hochkaräter präsentieren: „Freiheit, Gleichheit, Sicherheit“ - Paul Kirchhof, ehemaliger Bundesverfassungsrichter, nimmt die drei Leitgedanken unserer Demokratie und ihre Bedeutung in einer sich rasant verändernden Welt in den Blick.

Vor zehn Jahren fragte Julian Nida-Rümelin als Redner zum Jubiläum „Wie viel Wahrheit braucht die Demokratie?“  Und vor zwanzig Jahren war das Thema von Ralf Lord Dahrendorf „Die reiche Gesellschaft, die gute Gesellschaft, die freie Gesellschaft: Wie können wir alle drei haben?“ Der allererste Redner war 1987 der berühmte österreichische Psychiater Viktor E. Frankl, ein Zeitgenosse Sigmund Freuds und Überlebender des Holocaust. „Die Sinnfrage in der technologischen Gesellschaft“, so der Titel seines Vortrags. Es ist verblüffend, wie aktuell, ja zeitlos uns die Gedanken dieser Vorträge heute noch erscheinen. Die TELE-AKADEMIE wird sie im Jubiläumsjahr noch einmal zeigen. Und es geht weiter auf gewohnt hohem Niveau: „Wem gehört die Welt?“, „Der Fluch des Zuviel“ aber auch „Die Erfindung der Landschaft“ – lauten einige der Themen im neuen Halbjahresprogramm.