Weiterführende Informationen zur Sendung

Rose Ausländer -
Heimatlos Sprachgläubig
Prof. Dr. Gerhart Baumann
Sendezeit: So. 02.09.2001, 9.15h
Zum Vortrag
Vor 100 Jahren wurde die deutsch-jüdische Dichterin Rose Ausländer in Cernowitz in der Bukowina geboren. Sie verbrachte dort eine glückliche Kindheit und Jugend, geprägt vom kulturellen Milieu des gebildeten Judentums. 1921 zwang der Tod des Vaters Rose Ausländer zum Auswandern nach Amerika, von wo sie 1930 zurückkehrte. Es folgten Jahre allergrößter Not: Als 1940 die Sowjets die Bukowina besetzten, wurden dort alle Deutschen drangsaliert. Danach zwang die SS die Juden ins Ghetto, von wo sie später größtenteils in Vernichtungslager deportiert wurden. Dort lernte Rose Ausländer Paul Celan kennen. Sie überlebte die Zeit 'in der Gruft' als eine von 5.000 der ursprünglich 60.000 Juden der Stadt. 1944 schließlich vertrieben die Sowjets die nichtukrainische Bevölkerung. Verfolgung, Flucht, Entwurzelung und die verlorene Kindheit in der Bukowina blieben Konstanten in Rose Ausländers lyrischem Werk. Professor Dr. Gerhart Baumann war bis 1989 Ordinarius für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Freiburg. Er besitzt zahlreiche, noch unveröffentlichte Briefe von Rose Ausländer.
Zur Person
Gerhart Baumann wurde 1920 in Karlsruhe geboren. Er studierte Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie an den Universitäten Köln, Berlin, Freiburg und Marburg, unter anderem bei Ernst Bertram, Hans Kauffmann, Robert Heiß, Ulrich Pretzel, Wilhelm Pinder, Martin Heidegger und Kurt Bauch, bei Friedrich Maurer und Walther Rehm. Gerhart Baumann wurde 1949 mit einer Arbeit über Goethes Aphorismen promoviert, er habilitierte sich 1951 in Freiburg mit einer großangelegten Monographie über Grillparzer. Er wurde 1956 Extraordinarius und erhielt 1964 ein Ordinariat; er blieb der Stadt Freiburg treu, trotz Rufen nach Würzburg, Wien und Innsbruck. Seine Forschungsschwerpunkte sind deutsche und österreichische Dichtung des 18. bis 20. Jahrhunderts; Bezüge und Entsprechungen zwischen Dichtung, Bildender Kunst und Philosophie; Phänomenologie künstlerischer Ausdrucksformen.
Ausgewählte Buchveröffentlichungen
- Grillparzer.
Dichtung und österreichische Geistesverfassung. Wilhelm Fink
Verlag, Frankfurt a.M. /Bonn, 1966
- Entwürfe
zu Poetik und Poesie. Fink Verlag, München, 1976
- Georg Büchner
- Die dramatische Ausdruckswelt. Vandenhoeck Verlag, Göttingen,
1976
- Sprache und
Selbstbegegnung. Fink Verlag, München, 1983
- Umwege und Erinnerungn.
Fink Verlag, München, 1984
- Erinnerungen
an Paul Celan. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M., 1986
- Erschriebene
Welt. Versuche zur Dichtung. Rombach Wissenschaft, Reihe Litterae.
Hg. von Gerhard Neumann, Freiburg
im Breisgau, 1988
- Selbstentwurf.
Gestalt und Schrift. S. Fischer Verlag Frankfurt a.M., 1993
- Zuordnungen.
Rombach Wissenschaft, Reihe Litterae. Bd. 33, Freiburg im Breisgau,
1995
- Robert Musil.
Ein Entwurf. Rombach Verlag, Freiburg 1997
- Goethe Dauer im Wechsel. Rombach Verlag, Freiburg, 1999

