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Der Künstler als Verbrecher

Prof. Dr. Horst Bredekamp
Sendezeit: So. 11.06.2006, 8.30h

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Thomas de Quincys Ästhetisierung des Mordes als künstlerischer Akt ist als eine ironische Bekräftigung des außerhalb aller Normen stehenden Status des Künstlers gesehen worden. Zahlreiche Schwerverbrechen, die von Künstlern der frühen Neuzeit begangen wurden, besaßen jedoch einen anderen Charakter als es der schwarz-romantische Geniekult des frühen neunzehnten Jahrhunderts sehen wollte. Die privilegierte Verwandtschaft zwischen Herrschern und Künstlern erhielt im Umgang mit Bildhauern wie Veit Stoß, Benvenuto Cellini, Leone Leoni oder Gian Lorenzo Bernini, die sich schwere Vergehen zuschulden kommen ließen, eine eigenwillige Bekräftigung. Der Vortrag versucht diesen Fällen nachzugehen, um sie als eine Sonderform frühzeitlicher Souveränität zu bestimmen, die den Rechtsnormen der Moderne entgegensteht. Professor Dr. Horst Bredekamp lehrt Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Zur Person

Horst Bredekamp, geboren 1947 in Kiel, studierte Kunstgeschichte an der Universität Marburg. Nach seiner Promotion 1974 absolvierte er zunächst ein Volontariat am Frankfurter Liebighaus, bevor er ans kunsthistorische Institut der Hamburger Universität wechselte. 1992 war er zu Gast am Wissenschaftskolleg Berlin, und seit 1993 ist er Professor für Kunstgeschichte an der Berliner Humboldt-Universität. Gastaufenthalte führten ihn nach Princeton und ans Getty Center in Los Angeles sowie nach Budapest. Bredekamp, der sich in seinen zahlreichen Studien unter anderem der Renaissance sowie den Neuen Medien widmet, wurde 2000 mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

Ausgewählte Veröffentlichungen