
Die Vielfalt der Sprachen und das Verstehen der Welt
Prof. Dr. Hans-Georg Gadamer
Sendezeit: So. 18.03.2007, 8.30h
Das Nachdenken über Sprache und Verstehen hat Hans-Georg Gadamer sein Leben lang beschäftigt. Der Begriff der Hermeneutik im Sinne einer Lehre von Deutung und Auslegung ist eng mit seinem Philosophieren verbunden. Dieser Vortrag, den er 90jährig in Heidelberg hielt, zeigt eindrucksvoll, mit welcher geistigen Klarheit und Brillanz der große Philosoph noch im hohen Alter sein Publikum fesselte. Professor Dr. Hans-Georg Gadamer, 1900 in Marburg geboren, war Schüler von Paul Natorp, Nicolai Hartmann und vor allem Martin Heidegger. Über acht Jahrzehnte hinweg hat er die geistigen Strömungen seiner Zeit an bedeutenden Universitäten (Breslau, Marburg, Leipzig, Frankfurt und Heidelberg) verfolgt und mitgestaltet. Er starb im März 2002 im Alter von 102 Jahren.
1900 |
Geburt am 11. Februar in Marburg. Sein Vater Johannes war pharmazeutischer Chemiker |
1902 |
Gadamers Vater wurde als Ordinarius und Direktor des Pharmazeutischen Institutes nach Breslau (jetzt in Polen) berufen |
1909 |
bis 1918 Besuch der Schule zum Heiligen Geist in Breslau |
1918 |
Ende der Schule und Beginn des Studiums an der Universität Breslau |
1919 |
Studienplatztausch nach Marburg. Sein Vater wird nach Marburg als Nachfolger seines Doktorvaters E. Schmidt berufen |
1921 |
SS, Besuch des Seminars von M. Geiger in München. Damals war der Einfluss N. Hartmanns groß. |
1922 |
Promotion bei Natorp und N. Hartmann mit einer Abhandlung zu Plato |
1923 |
SS, Besuch der Vorlesungen von Husserl und Heidegger in Freiburg, im Sommer bei Heidegger in dessen Hütte. Heideggers Versetzung nach Marburg |
1924 |
Beginn des Studiums der klassischen Philologie bei Paul Friedländer |
1927 |
Staatsexemen für das höhere Lehramt |
1929 |
Habilitation bei Heidegger und Friedländer und Privatdozent in Marburg |
1931 |
Veröffentlichung der Habilitationsschrift: Platos dialektische Ethik |
1933 |
Reise nach Paris. Walter Schulz beginnt sein Studium bei Gadamer |
1934 bis 1935 |
zwei Semester Lehrtätigkeit in Kiel für Richard Kroner |
1937 |
a. o. Professor in Marburg |
1939 |
Berufung nach Leipzig und o. Professor und Direktor des Philosophischen Instituts der Universität Leipzig. W. Schulz und Karl-Heinz Volkmann-Schluck folgen Gadamer nach Leipzig |
1941 |
Vortragsreise nach Paris |
1944 |
Vortragsreise nach Portugal |
1945 |
Dekan der Philosophischen Fakultät |
1946 bis 1947 |
Rektor der Universität Leipzig |
1947 |
Berufung nach Frankfurt am Main |
1949 |
Reise nach Argentinien und danach Berufung nach Heidelberg als Jaspers' Nachfolger. Gadamer trat wieder unter den großen Einfluss von Heidegger. |
1950 |
Herausgeber der Festschrift für Heidegger. Damals Entschluss, eine hermeneutische Theorie herauszuarbeiten, und zweite Eheschliessung |
1951 bis 1977 |
Vorsitzender der Cusanus-Kommission der Heidelberger Adademie |
1953 |
Begründung der "Philosophischen Rundschau" mit Helmut Kuhn und Rückkehr von Karl Löwith aus den USA |
1960 |
Veröffentlichung von "Wahrheit und Methode" |
1962 |
Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland, (oder 1964) Begründung der Internationalen Vereinigung zur Förderung der Hegel-Studien und deren Präsident (bis 1970) |
1966 |
Organisierung eines Kongresses über Sprache in Heidelberg als Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie |
1967 bis 1971 |
Debatte mit Jürgen Habermas; bis 1977, Kleine Schriften, 4 Bde |
1968 |
Emeritierung. Gadamer lehrt in Heidelberg freiwillig weiter; März, Reise in die USA |
1969 bis 1972 |
Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; April, Reise nach den USA |
1971 |
Orden Pour le mérite und Reuchlin-Preis |
1977 |
November, Reise in die USA |
1979 |
Freud-Preis und Hegel-Preis |
1981 |
Debatte mit Jacques Derrida |
1985 bis 1995 |
Gesammelte Werke bei Mohr |
1986 |
Jaspers-Preis |
1993 |
das Großkreuz des Bundesverdienstordens |
1995 |
die große Geburtstagsfeier |
1996 |
Ehrendoktor der Universität Leipzig |
2000 |
die große Geburtstagsfeier |
2001 |
Gadamer-Professur (Heidelberg) beginnt |
2002 |
am 13. März in Heidelberg gestorben |