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Die Unbildungs-Katastrophe.
Was heißt und zu welchem Ende braucht man ein Studium Generale?

Prof. Dr. Hermann Glaser
Sendezeit: So. 08.02.2009, 8.30h

Zum Vortrag

Die politische Suada ist voller Forderungen nach mehr Bildung. Die Notwendigkeit von Bildung wird beschworen. Nur Bildung könne die Zukunft sichern usw. Die meisten der derart Bildungsbeflissenen denken aber gar nicht an Bildung, sondern an Ausbildung. Ihre begriffliche Trennschärfe ist unterentwickelt; ihre Klage über die mangelnde Effizienz des Bildungswesens orientiert sich fast ausschließlich an Nützlichkeitsgesichtspunkten. Natürlich ist es notwendig und sinnvoll, sich um eine stete Verbesserung von Ausbildung in allen Bereichen der Erziehung zu kümmern. Die Tatschache jedoch, dass man sich dabei mit Bildungsfragen nicht oder kaum beschäftigt, kann geradezu als „Unbildungskatastrophe“ bezeichnet werden. Die notwendige Frage: „Cui bono?“ wird ausschließlich als ein„Wem-zu-Nutzen“ verstanden und damit betriebswirtschaftlichem Denken unterstellt.
Der Vortrag kritisiert das bestehende Bildungsdefizit, das die Lernmotivation wesentlich beeinträchtigt. Gefordert wird eine Vernunft der Synthesis, die sich ums Begreifen der Zusammenhänge bemüht und sich an den philosophischen Grundfragen orientiert:Warum tue ich was wie mit welchen Mitteln? Woher komme ich, wohin gehe ich? Denn Bildung ist die Fähigkeit, aus den Zufälligkeiten angehäuften Detailwissens ein ordnungsstiftendes Beziehungsgeflecht zu machen, das dann selbstständig, mit Neugier und innerem Antrieb ausgebaut und verdichtet werden kann.

Zur Person

  • Hermann Glaser, geboren am 28.8.1928 in Nürnberg
  • Studium der Germanistik, Anglistik, Geschichte und Philosophie in Erlangen und Bristol 1947 bis 1952; Promotion 1952; Lehramtsexamen und Eintritt in den Schuldienst
  • Von 1964 bis 1990 Schul- und Kulturdezernent der Stadt Nürnberg
  • Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu pädagogischen, sozialwissenschaftlichen, kulturgeschichtlichen und kulturpolitischen Themen
  • Bis 1990 Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetages
  • Mitglied des PEN
  • Honorarprofessor an der Technischen Universität Berlin; Gastprofessuren im In- und Ausland

Ausgewählte Veröffentlichungen

  • Und du meinst so bliebe es immer. Spurensuche in Franken und anderswo. ars vivendi Verlag, Cadolzburg, 2000
  • Kleine Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. C. H. Beck Verlag, München, 2002
  • Kleine deutsche Kulturgeschichte von 1945 bis heute. Eine west-östliche Erzählung. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2004
  • Ins Land der Franken fahren … In Bildern, Texten und Dokumenten. Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2004
  • Ganz Ohr - Eine Kulturgeschichte des Radios in Deutschland. (zus. mit Hans Jürgen Koch). Böhlau Verlag, Köln, 2005
  • Wie Hitler den deutschen Geist zerstörte. Kulturpolitik im Dritten Reich. Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2005
  • Die 50er Jahre. Deutschland zwischen 1950 und 1960. Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2005
  • Die Feuerbachs. Eine deutsche Familie im 19. Jahrhundert. (zus. mit Rainer Lindenmann und Max Ackermann). Schrenk-Verlag, Gunzenhausen, 2006
  • Jean Paul. Johann Paul Friedrich Richter. Auf den Spuren der Dichter und Denker durch Franken (zus. mit Johann Schrenk). Schrenk-Verlag, Gunzenhausen 2007
  • Die 60er Jahre. Deutschland zwischen 1960 und 1970. Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2007
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Weltgeist in Franken. Auf den Spuren der Dichter und Denker durch Franken. Schrenk Verlag, Gunzenhausen, 2008
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