
Vertrauen und Gewalt.
Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne
Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma
Sendezeit: So. 13.09.2009, 8.30h
Rätsel werden meist dadurch produziert, dass man falsche Fragen stellt. Nicht die Frage, wie es denn sein könne, dass "ganz normale Männer" zu extremen Gewalttaten fähig seien, ist interessant, sondern die, warum sich angesichts der Weltgeschichte diese Frage so hartnäckig hält und für interessant gehalten wird. Der Vortrag versucht, auf diese Frage eine Antwort zu geben, indem er das besondere Verhältnis, das die "Moderne" genannte Kulturformation gegenüber der Gewalt – nicht zuletzt der eigenen – herausgebildet hat, thematisiert: Gewalt steht in der Moderne unter einem ganz anderen Legitimationsdruck als in anderen Kulturen, und das Vertrauen in die Moderne beruht weitgehend auf der Unterstellung, sie sei gewaltarm oder doch wenigstens auf dem besten Wege dorthin.
Jan Philipp Reemtsma, geboren 1952, Prof. Dr. phil., lebt und arbeitet vorwiegend in Hamburg. Er ist Geschäftsführender Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg und Vorstand der Arno Schmidt Stiftung.
1997 Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg, 1999 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Konstanz sowie der Gerhard-Mercator-Professur der Universität Duisburg-Essen, 2001 Niedersächsischer Kunstpreis für Literatur/Nicolas-Born-Preis, 2002 Leibniz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2003 Heinz-Galinski-Preis der Heinz-Galinski-Stiftung, Berlin, 2007 Verleihung des Teddy Kollek Preises der Jerusalem Foundation in der Knesset, Jerusalem sowie Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Magdeburg, 2008 Johannes-Gutenberg-Stiftungsprofessur der Universität Mainz sowie Zuerkennung der Ferdinand-Tönnies-Medaille der Christian-Albrechts-Universität Kiel, 2009 Schiller-Professur der Friedrich-Schiller-Universität Jena.