
Zivilcourage – in Deutschland ein Fremdwort!?
Prof. Dr. Ulrich Beer
Sendezeit: So. 04.10.2009, 8.30h
Erstausstrahlung: So. 11.11.2007
"Mut auf dem Schlachtfelde ist bei uns Gemeingut, aber Sie werden nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt", sagte Bismarck, der damit dieses Wort in die deutsche Sprache einführte. Heute ist es zwar in aller Munde, aber dennoch ein Fremdwort geblieben. Merkwürdig, dass Zivilcourage als Tugend sich allgemeiner Wertschätzung erfreut, ebenso wie die mit ihr untrennbar verbundene Wahrheitsliebe. Das gilt jedoch nur im Allgemeinen; im Einzelfall, wenn sie sich - und sonst wäre sie keine Courage - gegen anerkannte Mächte und Meinungen wendet, ist sie weniger populär. Denn in solchen Situationen kann es riskant sein, Wahrheiten beim Namen zu nennen. Gegen Missstände - ob im Alltag des einzelnen Bürgers oder bei Entscheidungen von öffentlicher Bedeutung und politischer Tragweite - nicht anzugehen heißt aber, den Missbrauch von Macht zu dulden und damit zu rechtfertigen.
1950 Studium der Psychologie und Philosophie (Universität Erlangen), Zoologie (Universität Bonn), Promotion 1955, ab 1956 Erzieher in einem Jugendwohnheim, 1957 Leiter des Internats Jagdschloss Einsiedel bei Tübingen, 1958 Dozent an der Evangelischen Schule für Heimerziehung in Reutlingen, 1966 Niederlassung als freiberuflicher Psychologe, 1970 Lehrauftrag an der Universität Heidelberg, 1980/81 Stadtschreiber in Soltau, 1985 Europäisches Diplom als Schriftpsychologe Europäische Gesellschaft für Schriftpsychologie EGS, 1986 Übersiedelung nach Eisenbach im Schwarzwald, 1989 Verleihung des Professors ehrenhalber. Bekannt wurde Ulrich Beer vor allem als Psychologe in der ZDF-Fernsehsendung „Ehen vor Gericht“, die er 30 Jahr lang kommentierte.