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Schiller und das Theater als politische Anstalt



Prof. Dr. Walter Hinderer
Sendezeit: So. 08.11.2009, 8.30h

Zum Vortrag

Für Friedrich Schiller bedeutete das Theater eine Fortsetzung seiner zeitgeschichtlichen und politischen Einsichten mit ästhetischen Mitteln. Seit der Entdeckung Shakespeares durch die junge Generation des so genannten "Sturm und Drang" erhielt auch das Theater in Deutschland eine politische Brisanz. Selbstbewusst beschreibt Schiller 1784 die Ziele der Schaubühne als einen "Wegweiser durch das bürgerliche Leben", als eine "Schule der praktischen Weisheit". Walter Hinderer beschreibt in diesem Vortrag, wie hellsichtig und kritisch Schiller Psychogramme von machtbesessenen Charakteren zeichnet, die nur aus Kopf und Kalkül zu bestehen scheinen. Probleme von Herrschaft und Gesellschaft, Herrschaft und Freiheit oder von Legitimität der Herrschaft führt Schiller weniger auf Fehler der jeweiligen Institutionen oder Verfassungen als vielmehr auf die Mängel im Charakter der politischen Führer und ihrer Untertanen zurück.

Zur Person

Walter Hinderer, geb.1934 in Ulm, studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte und Anglistik in Tübingen und München, wo er mit einer der ersten Dissertationen über Hermann Boch promovierte. Seit 1966 unterrichtete er an verschiedenen amerikanischen Universitäten, bis er 1978 einem Ruf an die Princeton University folgte, an der er bis 2009 als Professor für deutsche Literaturwissenschaft und German Studies lehrte. Er war ausserdem Fellow an folgenden Forschungsinstituten: 1976-1977, Institute for Research in the Humanities, University of Wisconsin, Madison; 1985-1986, Institute for Advanced Study, Berlin (Wissenschaftskolleg); 1995, Rosenzweig Research Center for German-Jewish Literature and Cultural History, Hebrew University, Jerusalem. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf deutschsprachige Literatur, Philosophie, Geschichte , Gesellschaft und Politik des 18., 19. , 20. Jahrhunderts und der Gegenwart.

Ausgewählte Veröffentlichungen