Weiterführende Informationen zur Sendung

„Die ästhetische Erziehung des Menschen“ –
antiquierte Utopie oder aktuelle Strategie?
Prof. Dr. Jürgen Wertheimer
Sendezeit: So. 15.11.2009, 8.30h
Zum Vortrag
250 Jahre Schiller heißt selbstverständlich auch Jahrhunderte von Schiller-Legenden, Schiller-Irrtümern, Schiller-Missbrauch. Schiller als Schwabe, Schiller als Weimaraner, Schiller aus Klassik-Gips; Schiller als Moralist, Idealist, deutscher Jüngling ... Die Wirklichkeit findet sich nicht in seiner „Weltanschauung“, nicht in seinen Perücken oder Pantoffeln oder was man sonst an Nippes und Souvenirs noch exponiert. Sie findet sich dort, wo Schiller als Mensch aufhört und Schiller als Autor beginnt: im Text. Das Vermächtnis jedes Autors liegt dort. Alles andere ist Zubehör oder Privatsache. Und diese Texte sind alles andere als tot! Schillers Credo besteht in einem vehementen Sturmlauf in Richtung Da-Sein, Leben, Lebendigkeit, sowohl intellektuell und emotional.
Zur Person
Jürgen Wertheimer, geboren 1947, 1969- 1973 Studium der Germanistik, Komparatistik, Anglistik und Kunstgeschichte an den Universitäten München, Siena und Rom, 1984/85: Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Neuere deutsche Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaft), 1986/87: Ernennung zum Professeur associé für "Littérature allemande" an der Universität Metz, 1991: Berufung auf den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik, Universität Tübingen, 1994/95: Professeur invité an der Université Paris 8, seit 1992: Mitherausgeber der komparatistischen Zeitschrift arcadia, seit 1993: Kulturkonflikte / Integration – Abwehr – Konflikt. Plurikulturelle Räume am Beispiel von Berlin–Barcelona –Sarajewo, seit 1993: Tübinger Celan-Ausgabe, 1996-2004: Tübinger Poetik-Dozentur, 2004-2006: Forum der Welt-Literaturen.
Ausgewählte Veröffentlichungen
- Dialogisches Sprechen bei Stefan George. Formen und Wandlungen. Fink Verlag, München, 1978
- Ästhetik der Gewalt: ihre Darstellung in Literatur und Kunst (Hg.). Athenäum Verlag, Frankfurt am Main, 1986
- "Der Güter gefährlichstes, die Sprache". Zur Krise des Dialogs zwischen Aufklärung und Romantik (Hölderlin, Diderot, Rousseau). Fink Verlag, München, 1990
- Suchbild Europa – künstlerische Konzepte der Moderne (Hg.). Rodopi Verlag, Amsterdam, 1994
- "Überall in den Köpfen und Fäusten". Auf der Suche nach Ursachen und Konsequenzen von Gewalt (Hg. mit H. Thiersch). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1994
- Von Poesie und Politik. Zur Geschichte einer dubiosen Beziehung (Hg.). Attempto-Verlag, Tübingen, 1994
- Multikulturalität. Tendenzen, Probleme, Perspektiven (Hg. mit Michael Kessler). Stauffenburg Verlag, Tübingen, 1995
- Der Exodus aus Nazideutschland und die Folgen. Jüdische Wissenschaftler im Exil (Hg. mit Marianne Hassler). Attempto Verlag, Tübingen, 1997
- Don Juan und Blaubart. Erotische Serientäter in der Literatur. C.H. Beck Verlag, München, 1999
- Zeichen lesen. Lese-Zeichen. Kultursemiotische Vergleiche von Leseweisen in Deutschland und China (Hg. mit Susanne Göße). Stauffenburg Verlag, Tübingen, 1999
- Strategien der Verdummung. Infantilismus in der Fun-Gesellschaft. C. H. Beck Verlag, München, 2001, Beck Reihe, Band 1423
- Du wachst auf, und der Albtraum beginnt ... Europäische Romane des 20. Jahrhunderts. Stauffenburg Verlag, Tübingen, 2002
- Konfliktherd Toleranz? Analysen, Sondierungen, Klarstellungen (Hg. mit Michael Kessler und Wolfgang Graf Vitzthum). Stauffenburg Verlag, Tübingen, 2002
- Krieg der Wörter. Die Kulturkonfliktslüge. LiteraturWissenschaft.de, Marburg, 2003
- Abenteuer Alltag. Europäische Romane von Cervantes bis Zola. Stauffenburg Verlag, Tübingen, 2004
- Schillers Spieler und Schurken. Konkursbuchverlag, Tübingen, 2005
- Das Cervantes-Projekt. Konkursbuchverlag, Tübingen, 2005
- Als Maria Gott erfand. Pendo Verlag, München, 2009

