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Sprachkritik – was sie war, ist und sein könnte
Prof. Dr. Jürgen Schiewe
Sendezeit: So. 13.12.2009, 8.30h
Zum Vortrag
Seitdem der Mensch eine Sprache hat, übt er auch Sprachkritik. Die Möglichkeit nämlich, sich mit Sprache auf Sprache zu beziehen und Äußerungen und Texte zu bewerten, gehört zu den Grundfunktionen unserer Sprache und zu den Alltäglichkeiten unseres Sprechens und Schreibens. Die Geschichte der Sprachkritik, wie sie uns in zahlreichen Zeugnissen seit der Antike vorliegt, zeigt ein facettenreiches Bild von Motiven und Bewertungen. Sie reicht in unserem Kulturkreis von Platons Reflexion über die „Richtigkeit der Namen“ in dem Dialog „Kratylos“ und Leibniz „Unvorgreiflichen Gedanken betreffend die Ausübung und Verbesserung der deutschen Sprache“ bis hin zu immer wiederkehrenden Befürchtungen um den Verfall der Sprache und der heutigen Kritik an Anglizismen. Der Vortrag zeichnet die wesentlichen Grundzüge der Geschichte der Sprachkritik nach und sucht nach Anknüpfungspunkten für eine künftige Sprachkritik. Diese hat zum Ziel, Sprachbewusstsein zu fördern sowie Sprachkultur zu pflegen, auszubauen und zu sichern.
Zur Person
Jürgen Schiewe, geboren 1955 in Königslutter-Lelm, studierte in Regensburg und Freiburg i.Br. die Fächer Germanistik, Philosophie und Geschichte. Promoviert wurde er 1986 mit einer Dissertation zum Thema „Sprache und Öffentlichkeit. Carl Gustav Jochmann und die politische Sprachkritik der Spätaufklärung“. 1994 habilitierte er sich mit einer sprach- und universitätsgeschichtlichen Arbeit über „Sprachenwechsel – Funktionswandel – Austausch der Denkstile. Die Universität Freiburg zwischen Latein und Deutsch“. Im Jahre 2003 wurde er an die Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald berufen, wo er seither den Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft innehat.
Ausgewählte Veröffentlichungen
- Sprache und Öffentlichkeit. Carl Gustav Jochmann und die politische Sprachkritik der Spätaufklärung. Erich Schmidt Verlag, Berlin, 1989
- Sprachpurismus und Emanzipation. Joachim Heinrich Campes Verdeutschungsprogramm als Voraussetzung für Gesellschaftsveränderungen. Georg Olms Verlag, Hildesheim, Zürich, New York 1988
- Sprachenwechsel – Funktionswandel – Austausch der Denkstile. Die Universität Freiburg zwischen Latein und Deutsch. Max Niemeyer Verlag, Tübingen, 1996
- Die Macht der Sprache. Eine Geschichte der Sprachkritik von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck Verlag, München, 1998
- Witzkultur in der DDR. Ein Beitrag zur Sprachkritik (zus. mit Andrea Schiewe). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2000
- Welche Wirklichkeit wollen wir? Beiträge zur Kritik herrschender Denkformen (Hrsg.). Edition Argus, Schliengen, 2000
- Öffentlichkeit. Entstehung und Wandel in Deutschland. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn, 2004
- Aptum. Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur (Hrsg. zus. mit Martin Wengeler). Dr. Ute Hempen Verlag, Bremen, 2005 ff.
- Kompetenz, Diskurs, Kontakt. Sprachphänomene in der Diskussion. Beiträge des deutsch-polnischen Kolloquiums (Hrsg.). Peter Lang, Frankfurt am Main, 2006
- Sprachkompetenz in Europa. Interkulturelle Kommunikation als Schlüsselqualifikation (Hrsg. zus. mit Ryszard Lipczuk, Werner Westphal). Peter Lang, Frankfurt am Main, 2006

