Weiterführende Informationen zur Sendung

Die Pferde des Expressionismus.
Triumpf und Tod einer Metapher
Prof. Dr. Ernst Osterkamp
Sendezeit: So. 05.02.2012, 8.00h
Zum Vortrag
Dieser Vortrag will die Geschichte des deutschen Expressionismus am Beispiel einer seiner zentralen Metaphern erzählen. Für die antibürgerliche künstlerische Avantgarde, die sich um 1910 in den Bildenden Künsten und in der Poesie konstituierte und für die sich rasch der Begriff Expressionismus durchsetzte, bildete das Pferd die Aufbruchsmetapher schlechthin. Dies zeigen die Bilder von Franz Marc ebenso wie als die Gedichte von Ernst Stadler, Georg Heym und August Stramm. Noch 1914 erschien in der Reihe „Der jüngste Tag“ des Kurt Wolff Verlags Paul Boldts berühmter Gedichtband „Junge Pferde! Junge Pferde!“ Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs aber änderte die Metapher auf fundamentale Weise ihre Bedeutung. Nachdem sich die militärische Untauglichkeit der Kavallerie unter den Bedingungen moderner Kriegsführung gezeigt hatte, wurde das tote Pferd zum Sinnbild für die geschundene Kreatur. Am Ende des expressionistischen Jahrzehnts, als sich der Hunger einer vom Krieg erschöpften Bevölkerung auch auf die Pferdekadaver richtete, lädt sich die Metapher mit einem politischen Gehalt auf.
Zur Person
Ernst Osterkamp, geb. 1950 in Tecklenburg |
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Studium der Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie in Münster |
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1977 |
Promotion an der Universität Münster |
ab 1979 |
wissenschaftlicher Assistent am Institut für Germanistik der Universität Regensburg |
1988 |
Habilitation im Fach Deutsche Philologie |
1992 |
Gastprofessor an der Universität Würzburg |
seit 1992 |
Professor für Neuere deutsche Literatur am Fachbereich Germanistik der Humboldt-Universität zu Berlin |
1996-1998 |
Dekan der Philosophischen Fakultät II |
seit 2003 |
Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz |
seit 2006 |
Ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften |
seit 2008 |
Sprecher des Fachkollegiums Literaturwissenschaft der DFG |
Ausgewählte Veröffentlichungen
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Imagination und Evidenz: Transformationen der Antike im ästhetischen Historismus (zus. mit Thorsten Valk). de Gruyter Verlag, Berlin/New York, 2011
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Poesie der leeren Mitte: Versuch, Stefan Georges Neues Reich zu verstehen. Carl Hanser Verlag, München, 2010
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»Der Kraft spielende Übung«: Studien zur Formgeschichte der Künste seit der Aufklärung (zus. mit Jens Bisky, Martin Dönike und Bernd Klöckener). von Wallstein Verlag, Göttingen, 2010
-
Gewalt und Gestalt. Die Antike im Spätwerk Goethes. Schwabe Verlag, Basel, 2007
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Stefan Georg: Gedichte. (Hrsg.). Insel Verlag, Frankfurt /M., 2005
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Friedrich Gundolf: Die deutsche Literärgeschicht. Manutius Verlag, Heidelberg, 2002
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Rudolf Borchardt und seine Zeitgenossen (Hrsg.). de Gruyter Verlag, Berlin/New York, 1997
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Johann Joachim Winckelmanns „Heftigkeit im Reden und Richten“. Zur Funktion der Polemik in Leben und Werk des Archäologen. Winckelmann Gesellschaft, Stendal, 1996
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Schiller als Historiker (Hrsg. zus. mit Otto Dann, Norbert Oellers). Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar, 1995
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Im Buchstabenbilde. Studien zum Verfahren Goethescher Bildbeschreibungen. Metzler Verlag, Stuttgart, 1991
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Lucifer. Stationen eines Motivs. de Gruyter Verlag, Berlin/New York, 1979

