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Das Internet – ein Resonanzsystem

Dr. Martin Altmeyer
Sendezeit: So. 22.04.2018, 7.30h

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Zum Vortrag

Offenbar hat die digitale Moderne nicht nur das Alltagsleben durchdrungen, sondern auch die Mentalität ihrer Bewohner. Im Zeitalter des Internet scheint das Seelenleben vom Wunsch nach zwischenmenschlicher Kommunikation bestimmt, von einer Sehnsucht nach Spiegelung, nach einem Echo aus der Lebenswelt, vom Verlangen danach, von anderen Menschen gesehen und gehört zu werden. Unaufhörlich sind wir am twittern, chatten, mailen, bloggen, hashtaggen, googeln und downloaden. Wir posten und posen, was das Zeug hält. Wir stellen unsere Selfies ins Netz oder verschicken sie über soziale Medien. Eifrig füllen wir unsere Facebook-Seiten oder bedienen uns der Bildtechniken von Instagram. Begeistert schauen sich Jugendliche und Heranwachsende auf ihren Laptops TV-Casting- und Realityshows an oder nehmen selbst daran teil. Ständig schauen sie auf ihr Smartphone, um ja nicht die neueste SMS zu verpassen oder eine WhatsApp-Nachricht, die umgehend beantwortet wird. Warum tun sie das alles? Aus narzisstischen Motiven? Weil Aufmerksamkeitssucht und Kommunikationsgier sie dazu treiben? Weil sie manipuliert und medienabhängig gemacht werden, wie Zeitgeistkritiker gerne behaupten? Sie tun das aus einem einfachen Motiv: weil sie auf der Suche nach Umweltresonanz sind, weil die Befriedigung von Resonanzbedürfnissen von Geburt an und ein Leben lang zur Identitätsbildung beiträgt.

Zur Person

Martin Altmeyer, geboren 1948 in Völklingen/Saar. Lebt und arbeitet in Frankfurt/Main in eigener Praxis. Vertritt einen relationalen Ansatz innerhalb der Psychoanalyse, Mitglied der International Association of Relational Psychoanalysis and Psychotherapy. Privatdozent für psychoanalytische Psychologie. Promotion über Narzissmustheorie. Habilitation zur intersubjektiven Natur des Seelenlebens. Langjährige Tätigkeit in Kliniken der Reformpsychiatrie und bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.
Autor von Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträgen. Zuletzt im SPIEGEL über den seelischen Wandel im Zeitalter des Internet („Aufmerksamkeit bitte!“ 22/2016), zur Inszenierung von Allmacht im zeitgenössischen Amoklauf und Terrorakt („Morden im Rampenlicht“. 31/2016) und zu den mentalen Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Spielarten des Populismus („Seelenverwandtschaften“. 47/2016).

Ausgewählte Veröffentlichungen