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Waren, Fetische und Warenfetische


Prof. Dr. Dorothee Kimmich
Sendezeit: So. 00.00.2018, 7.30h

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Zum Vortrag

Die Rede von „Fetischismus“ ist weit verbreitet: Er gilt in erster Linie als eine übertriebene, entgleiste, ins Krankhafte übergehende Neigung für bestimmte Gegenstände, die dabei an Stelle des geliebten oder begehrten Menschen oder eines religiösen Symbols – treten. Der Fetisch stellt immer etwas wie eine Verführung, eine Täuschung oder eine Perversion dar. Nicht nur Karl Marx, auch andere Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts waren fasziniert von der Frage, was die Macht und die Attraktion von Fetischen ausmacht. Dabei ist es wohlfeil, den Fetischismus der „Andern“ als solchen zu erkennen. Viel größer ist dagegen die Herausforderung, wenn es darum geht, den Fetischismus innerhalb der eigenen, vertrauten Gesellschaft und ihrer Milieus zu erkennen. Dazu sollte Marx’ Konzept des Warenfetischismus dienen: Die fast religiöse und nicht selten perverse Verehrung von Waren und die allgemeine Fehleinschätzung ihres Wertes und ihrer Bedeutung bilden die psychologische, soziale und ökonomische Grundlage des Kapitalismus. Ein Vergleich mit zeitgenössischen Fetischtheorien zeigt, dass Marx’ Konzept des Warenfetischs in den vergangenen 150 Jahren nichts an Brisanz verloren hat.

Zur Person

Professor Dr. Dorothee Kimmich lehrt Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Tübingen. Seit 2004 leitet sie die Tübinger Poetik-Dozentur, seit 2016 ist sie Mitglied des Fachkollegiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft.