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Referenten alphabetisch

1. Halbjahr 19 (10.03.19 - 28.07.19)

Dr. Gernot Erler Dr. Gernot Erler
Weltordnung ohne Westen? Europa zwischen Russland, China und Amerika

Sendezeit: So 10.03.2019, 07:30h


Die Jahrzehnte gültige Weltordnung ist erschüttert und neue globale Machtverhältnisse entstehen. Von einem „Post-West-Zeitalter“ ist die Rede, in Moskau wie Peking erhebt man den Anspruch, Ordnungsmacht auch im globalen Maßstab zu sein. Dabei trifft die in der Krise steckende Europäische Union vor allem auf drei große Player: Russland mit einem zwischen Kooperation und Konfliktbereitschaft pendelnden Putin. Das durch seinen wirtschaftlichen Aufstieg mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattete China. Die USA mit der „America First“-Politik eines unberechenbaren Donald Trump. Welche Optionen hat Europa in dieser Situation? Kann die EU der Dynamik der neuen Ordnungsmächte etwas entgegensetzen? Sind die europäischen Werte noch durchsetzbar? Und welchen Einfluss hat Deutschland?



Dr. Mikko Huotari Dr. Mikko Huotari
Chinas Finanzmacht und Südostasien. Ordnungsfaktor oder neue Abhängigkeit?

Sendezeit: So 17.03.2019, 07:30h


2018 war das Jahr, in dem Chinas Investitionen und Kredite weltweit zu einem Politikum wurden. Im August erklärte der indonesische Premierminister Mahathir mit direktem Bezug auf chinesisch finanzierte Großprojekte: „We do not want a situation where there is a new version of colonialism happening“. Wenig später sprach der amerikanische Vize-Präsident auf dem APEC-Gipfel in Papua-Neuguinea von Chinas „Schuldenfallen-Diplomatie“. Im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit stehen vor allem die negativen Aspekte von Chinas neuer „Finanzmacht“: eine wachsende Abhängigkeit von China und finanzieller Einfluss als Störfaktor für regionale Ordnungsbildung. Der Vortrag von Mikko Huotari erörtert, dass diese Einordnung zu kurz greift. Er beleuchtet chinesische Initiativen zur Bereitstellung von Krisenliquidität und längerfristigen Entwicklungskrediten und zeigt, wie sich die inneren Spannungen im chinesischen Entwicklungsmodell, im Finanzsystem sowie in Pekings außenpolitischen Ambitionen zunehmend auf die Region übertragen.



Prof. Dr. Sandra Destradi Prof. Dr. Sandra Destradi
Indien und der Globale Süden. Engagement und Zurückhaltung einer aufstrebenden Macht

Sendezeit: So 24.03.2019, 07:30h


Der Optimismus über die Rolle „aufstrebender Mächte“ in der Weltpolitik hat in den vergangenen Jahren, insbesondere seit den innenpolitischen Krisen in Südafrika und Brasilien, deutlich nachgelassen. Neben China bleibt nur Indien, mit stabilen Wachstumsraten von etwa 7%, eine bedeutsame Wirtschaftsmacht. Auch außenpolitisch ist Indien ein relevanter internationaler Akteur, der seine Beziehungen zu den Ländern des Globalen Südens systematisch ausbaut, auch wenn diese Aktivitäten in der medialen Berichterstattung oft ignoriert werden. Der Vortrag beleuchtet die Rolle Indiens als Geberland und Krisenmanager im Globalen Süden und fragt nach den Gründen für Indiens Mischung aus Engagement und Zurückhaltung. Unter dem amtierenden hindu-nationalistischen Premierminister Modi zählt dazu das Streben nach Weltmachtstatus, allerdings gepaart mit beschränkten Handlungsmöglichkeiten in einem konfliktreichen regionalen Umfeld.



Prof. Dr. Hans-Henning Schröder Prof. Dr. Hans-Henning Schröder
„Der Platz an der Sonne“. Russland als Großmacht in einer multipolaren Welt?

Sendezeit: So 31.03.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 22.02.2015


Das außenpolitische Denken der russischen Führung war in der Vergangenheit vor allem auf zwei Ideen fixiert: auf Russlands Rolle als Großmacht und Vormacht im eurasischen Raum und auf die USA als notorischen Feind, der versucht, Russland zu schwächen und zurückzudrängen. Allerdings verfügt Russland mit seiner rohstoffabhängigen Wirtschaft und seinem geringen Innovationspotential nicht über die Ressourcen, um glaubhaft die Rolle einer Großmacht zu spielen. Das Integrationsprojekt der „Eurasischen Union“ dient deshalb auch dazu, sich des eigenen Großmachtstatus zu versichern. Der Vortrag von Hans-Henning Schröder aus dem Jahr aus dem Jahr 2015 beleuchtet die russische Perspektive auf die Weltpolitik.



Prof. Dr. Michael Zürn Prof. Dr. Michael Zürn
Global Governance in schweren Zeiten

Sendezeit: So 07.04.2019, 07:30h


Russland besetzt die Krim. China gründet seine eigenen internationalen Organisationen. Die USA zetteln Handelskriege an und weisen den Pariser Klimavertrag zurück. Großbritannien tritt aus der EU aus. Die verbliebenen Staaten in der EU blockieren sich gegenseitig... Das Projekt „Global Governance“ ist, knapp 30 Jahre nachdem es mit dem Fall der Berliner Mauer Fahrt aufgenommen hatte, in einer existentiellen Krise. Wie konnte es dazu kommen? Warum ist die internationale Ordnung, die gemessen an Makroindikatoren wie Anzahl der Kriege, globale Ungleichheit und „Human Development Index“ bessere Ergebnisse lieferte als jede internationale Ordnung zuvor, so unbeliebt? Michael Zürn beleuchtet die Konstruktionsfehler des globalen politischen Systems, die für die gegenwärtigen Entwicklungen verantwortlich sind. Diese institutionellen Defizite der globalen Ordnung haben zu einer umfassenden Krise geführt. Die gleichzeitige Herausforderung durch nationalistische Kräfte innerhalb der konsolidierten Demokratien und durch aufstrebende Mächte kann also nur bewältigt werden, indem das politische Kunststück gelingt, die gegenwärtige internationale Ordnung zu verteidigen, indem sie reformiert wird.



Prof. Dr. Wolfgang Streeck Prof. Dr. Wolfgang Streeck
Politische Stagnation - Reflexionen über einen unhaltbaren Zustand

Sendezeit: So 14.04.2019, 07:30h


In den drei Jahrzehnten nach 1945 schien ein von den USA international koordinierter sozialdemokratischer Keynsianismus die Spannungen zwischen internationalem Kapitalismus und nationaler Demokratie beigelegt zu haben. Spätestens in den 80er-Jahren kehrte jedoch der Neoliberalismus als Versuch zurück, nationale Politik im Zuge der sogenannten „Globalisierung“ von wirtschaftlicher Einflussnahme auszuschließen. Seit der Krise 2008 lässt sich weltweit eine Inanspruchnahme nationaler demokratischer Institutionen durch neue, als „populistisch“ bezeichnete politische Kräfte beobachten, meist von rechts, aber auch von links, die sich der wirtschaftlichen Neutralisierung des Nationalstaats zugunsten selbstregierender unbegrenzter Märkte widersetzen. In zahlreichen Ländern des früheren „Westens“ ist das Resultat ein politisch-kultureller Grabenkrieg, der von politischer Stagnation begleitet wird. Wie genau stellt sich diese, insbesondere in Europa und Deutschland, dar?



Sir Paul Tucker Sir Paul Tucker
Die politische Unabhängigkeit der Zentralbanken und das Problem ihrer verfassungsmäßigen Kontrolle

Sendezeit: So 28.04.2019, 07:30h


Die von der Tagespolitik weitgehend abgekoppelte Entwicklung der EZB und anderer unabhängiger Instanzen der Geldpolitik hat dazu geführt, dass die heutigen Zentralbanken mit regulatorischen und quasi-fiskalischen Vollmachten ausgestattet sind, die sie neben der Justiz und dem Militär zu Säulen einer nichtgewählten Regierung machen. Die Lücke in der Verfassungsordnung macht deutlich, wie sehr sich politische Theorie und institutionelle Praxis auseinander entwickelt haben. Der Vortrag will die prinzipiellen Beschränkungen aufzeigen, die nötig sind, um die Unabhängigkeit der Zentralbanken mit demokratischen Werten, der Herrschaft des Rechts und einem verfassungsmäßigen Handeln in Einklang zu bringen. Im Zentrum stehen eine glaubwürdige Verpflichtung, die demokratische Wahl, der Wert einer eingehenden öffentlichen Debatte und die Notwendigkeit klarer Ziele, deren Einhaltung kontrolliert werden kann.



Prof. Dr. Giovanni Galizia Prof. Dr. Giovanni Galizia
Wie kommen die Blütendüfte ins Gehirn?

Sendezeit: So 05.05.2019, 07:30h


Wir erkennen Düfte ganz unterschiedlicher Herkunft, gute, schlechte, attraktive Parfums und stinkende Käfer. Und wir können uns an Düfte erinnern. Auch Bienen haben einen hervorragenden Duftsinn: Sie können einer Duftspur über viele Kilometer folgen, und sie können aus einer Duftmischung die einzelnen Komponenten herausriechen. Auf einer Blumenwiese erkennen sie verschiedene Blüten am Duft, und sie erinnern sich an den Duft besonders nektarreicher Blüten. Wie kann ein relativ einfaches Gehirn Millionen von Düften riechen, speichern und wiedererkennen? Giovanni Galizia erklärt in diesem Vortrag, wie die neuronale Kodierung von Düften funktioniert und zu einer fast unbegrenzten Kapazität des Systems führt.



Prof. Dr. Michael Madeja Prof. Dr. Michael Madeja
Von Bits und Brains. Wie das Gehirn mit digitalen Medien umgeht

Sendezeit: So 12.05.2019, 07:30h


Mit atemberaubender Geschwindigkeit werden immer mehr Bereiche unseres Lebens digitalisiert. Dabei befürchten viele, dass diese Entwicklung möglicherweise die geistigen Leistungen des Menschen verkümmern lasse oder gar zu Schädigungen des Gehirns führe. Sind solche Befürchtungen berechtigt und was kann die Hirnforschung dazu sagen? Michael Madeja beschreibt in diesem Vortrag Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Gehirn und Computer. Er erläutert die Verarbeitung digitaler Informationen im Gehirn und geht schließlich auf die Auswirkungen der Nutzung digitaler Medien auf die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns ein.



Prof. Dr. Miriam Meckel Prof. Dr. Miriam Meckel
Mein Kopf gehört mir. Die schöne neue Welt des Brainhacking

Sendezeit: So 19.05.2019, 07:30h


Der technologische Fortschritt hat das menschliche Gehirn ins Visier genommen. Und mit ihm wachsen die Erwartungen an unsere grauen Zellen… Könnte unser Denken nicht effizienter sein? Brauchen wir wirklich acht Stunden Schlaf? Können wir unsere Stimmungen nicht durch gezielte Hirnstimulationen aufhellen? Schon jetzt ist vieles möglich: per Denken Texte schreiben, ein Computerspiel spielen oder über ein Hirnimplantat Gelähmten einen Teil ihres Bewegungsspielraums zurückgeben. Wir sind dabei, eine gefährliche Grenze zu überschreiten. Unsere Gedanken werden auslesbar, unser Denken wird berechenbar, wir werden optimierbar. Aber das Gehirn zu manipulieren heißt, die Persönlichkeit zu manipulieren. Das Gesicht der Menschheit wird sich verändern, wenn wir beginnen, unser Gehirn als Zone der Selbstverbesserung und als ökonomische Ressource zu begreifen. Wir müssen, so warnt Miriam Meckel, die Autonomie über unseren Kopf behalten – als Privatsphäre des Denkens, als Kreativraum und Refugium des Bewusstseins.



 Jörg Heynkes Jörg Heynkes
Die große digitale Transformation. Oder wie unser aller Leben auf den Kopf gestellt wird

Sendezeit: So 26.05.2019, 07:30h


Humanoide Roboter, Drohnen, Schwarmmobilität, künstliche Intelligenz, virtuelle und erweiterte Realitäten… Wir leben, so Jörg Heynkes, in der spannendsten, aufregendsten aber auch gefährlichsten Zeit der Menschheitsgeschichte. In diesem Vortrag führt er vor Augen, wie tiefgreifend die Digitalisierung schon in naher Zukunft unsere Lebenswirklichkeit verändern wird. Er beschreibt die gewaltigen Chancen dieser „vierten industriellen Revolution“, die uns ganz neue Möglichkeiten geben wird, Probleme zu bewältigen. Er betont aber auch die Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens. Denn wenn wir weitermachen wie bisher und nicht lernen, die neue Technik verantwortungsvoll zu nutzen, steuern wir auf den Abgrund zu.



Prof. Dr. Harald Lesch Prof. Dr. Harald Lesch
Die Digitale Diktatur

Sendezeit: So 02.06.2019, 07:30h


Der digitale Wandel wird in seinen bereits bestehenden und noch zu erwartenden Auswirkungen auf unsere Lebensverhältnisse häufig mit den Umwälzungen verglichen, die durch die Industrielle Revolution ausgelöst wurden. Schon jetzt leben wir in einer Welt, die vor wenigen Jahrzehnten noch unvorstellbar war – und wir stehen erst am Anfang. Wie wird die Rolle des Menschen sich verändern? Wie können wir verantwortungsvoll und kritisch mit den Chancen umgehen, die künstliche Intelligenz und Digitalisierung uns bieten? Die Möglichkeiten sind immens, die Risiken aber auch. Oder, wie Harald Lesch es in Bezug auf den Supercomputer Watson formulierte: „Es wird ein Alptraum, wenn wir die großartigen Fähigkeiten unseres Gehirns vernachlässigen und diese digitalen Hochleistungsrechner zu den Herren unserer inneren und äußeren Welt machen.“



Prof. Dr. Michael Grätzel Prof. Dr. Michael Grätzel
Solarzellen nach Pflanzenart. Energiegewinnung und Speicherung durch künstliche Photosynthese

Sendezeit: So 16.06.2019, 07:30h


Eine der größten Herausforderungen für unsere globale Gesellschaft besteht darin, Wege zu finden, die langsam aber unvermeidlich schwindenden fossilen Energiequellen durch erneuerbare Ressourcen zu ersetzen und dabei die negativen Auswirkungen der derzeitigen Energieversorgung auf Klima, Umwelt und Gesundheit zu vermeiden. Der weltweite Energieverbrauch wächst stetig, bis zum Jahr 2050 wird sich eine Energielücke von 15 Terrawatt öffnen, die durch erneuerbare umweltfreundliche Quellen abgedeckt werden muss. Die Nutzung von Sonnenenergie und deren Umwandlung in Elektrizität wird eine entscheidende Rolle spielen. Michael Grätzel beschreibt in diesem Vortrag neue Systeme, die die natürliche Photosynthese nachahmen und molekulare Farbstoffe oder Perowskit-Pigmente zum Einfangen von Sonnenlicht einsetzen.



Prof. Dr. Niko Paech Prof. Dr. Niko Paech
Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

Sendezeit: So 23.06.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 22.11.2015


Wachstum ist das Credo moderner Gesellschaften. Denn ohne Wachstum ist unser Wohlstand nicht zu haben. Dabei sind komplexe Verflechtungen und Abhängigkeiten entstanden. Die aktuellen Verschuldungs- und Finanzkrisen, für die keine Lösung in Sicht ist, die schonungslose Ausbeutung unseres Planeten und ein in vieler Hinsicht ungesundes Konsum- und Mobilitätsniveau stellen uns immer unausweichlicher vor die Frage: Kann es wirklich so weitergehen? Noch können wir uns eine Welt ohne Wachstum kaum vorstellen. Aber die Diskussionen über das Ende der Maßlosigkeit nehmen zu. Der Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech plädiert für eine Einschränkung industrieller Wertschöpfungsprozesse und für ein genügsameres, ökologisch verträglicheres und entlastendes Miteinander.



Prof. Dr. Stefan Schmidt Prof. Dr. Stefan Schmidt
Dem Zeitdruck entkommen. Muße und Achtsamkeit als Basis ärztlichen Handelns

Sendezeit: So 30.06.2019, 07:30h


In diesem Vortrag geht Stefan Schmidt der Frage nach, warum der Stress in unserer Kultur so maßgeblich zunimmt. Es zeigt sich, dass das große Überangebot an nahezu allem, die soziale Beschleunigung und die durchgängige Funktionalisierung aller Lebensbereiche, sei es zur Selbstoptimierung oder zur Gewinnsteigerung, Schlüsselfaktoren für die Zeittaktung und Zeitverdichtung in unserer Gesellschaft sind. Das Erleben von Muße und die Praxis der Achtsamkeit stellen sich dieser Entwicklung entgegen. In einer Studie im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Muße an der Universität Freiburg wird untersucht, inwieweit Muße und Achtsamkeit von Assistenzärzt/innen zur eigenen Selbstregulation und Selbstfürsorge erlernt und während der Arbeit eingesetzt werden kann, mit dem Ziel, eine bezogene und einfühlsame Präsenz für das ärztliche Handeln zu entwickeln.



Dr. Gunter Frank Dr. Gunter Frank
Der getriebene Patient – Irrwege der Medizin und des modernen Lifestyles

Sendezeit: So 07.07.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 24.03.2013


Medizin wird von Patienten heute zweigeteilt wahrgenommen. Hier die nur reparierende Schulmedizin, dort die ganzheitliche alternative Medizin. Dabei fällt auf, dass die psychovegetativen Beschwerden insgesamt in der ärztlichen Sprechstunde deutlich zunehmen, und dass keine der beiden Richtungen dafür Antworten kennt. Der Schlüssel, so Gunter Frank, ist vielmehr in einem richtigen Umgang mit Stress zu suchen. Unser Lebensstil strapaziert das vegetative Alarmsystem und blockiert den Selbstzugang zu den tieferen emotionalen Zentren des Gehirns. Dies wird von vielen Menschen als getriebenes, fremdgesteuertes Lebensgefühl wahrgenommen. Die Angstszenarien eines risikozentrierten Verständnisses von gesundem Leben verstärken diesen Prozess. Dabei werden wissenschaftliche Daten mit dem Ziel missbraucht, den Kundenstamm für medizinische Angebote zu vergrößern. Gunter Frank fordert einen redlichen Umgang mit Normwerten, Richtlinien und Studien, damit moderne Patienten nicht mit Angst und Katastrophenszenarien manipuliert und beunruhigt werden.



Dr. Werner Bartens Dr. Werner Bartens
Schluss mit den falschen Vorschriften. Wichtig ist, was uns berührt

Sendezeit: So 14.07.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 17.01.2016


Lebe ich gesund? Trinke ich zu viel Bier? Esse ich genug Obst? Treibe ich genug Sport? Wie ist mein persönlicher Wasserverbrauch? Ständig kommen uns „Experten“ mit guten Ratschlägen und Vorschriften, wie wir unser Leben führen sollten. Eine Studie nach der anderen, ein Ratgeber jagt den Nächsten. „Es reicht!“ meint Werner Bartens und empfiehlt uns, uns endlich wieder auf die eigenen Instinkte und Gefühle zu verlassen und das zu tun, was unser Inneres und unsere Erfahrung uns sagen.



Prof. Dr. Giovanni Maio Prof. Dr. Giovanni Maio
Therapieziel Dankbarkeit: Über die heilende Kraft der Annahme seiner selbst

Sendezeit: So 21.07.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 24.02.2013


Die moderne Medizin konzentriert sich aus ihrem naturwissenschaftlichen Erbe heraus ausschließlich auf die Möglichkeiten einer Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Körpers. Dabei wäre es wichtig, Medizin nicht ausschließlich als Reparaturwerkstatt zu verstehen, sondern sich auch in einer personalen Weise auf den Patienten einzulassen und ihm dabei zu helfen, sich in ein gutes Verhältnis zu seinem Kranksein zu setzen. Vor diesem Hintergrund geht der Vortrag auf die Grenzen der wissenschaftlichen Medizin ein und stellt die heilende Kraft von Zuwendung und Begegnung in den Mittelpunkt. Begrenztheit, so Giovanni Maio, kann und soll auch als Chance gesehen werden, sich auf den Kern des Lebens zu konzentrieren.



Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf
Schmerz und Medizin

Sendezeit: So 28.07.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 10.03.2013


Menschen mit Schmerzen erwarten medizinische Hilfe. Und die Medizin hat heute für den Hilfesuchenden eine Vielzahl diagnostischer und therapeutischer Angebote. Dabei haben unsere Ansprüche an Schmerzbefreiung oder zumindest Schmerzlinderung stark zugenommen, und im gleichen Maße sind die medizinischen Schmerz-Leistungen angestiegen. Eine Eskalation der Mittel ist festzustellen, aber der Schmerz bleibt. Spontanverläufe und andere Bewältigungsmöglichkeiten verschwinden hinter einer allgegenwärtigen Medikalisierung und dem Anspruch, das Leben müsse frei von Schmerz sein. Fast unbemerkt hat bei dieser Entwicklung das gesellschaftliche Leiden am Schmerz zugenommen.