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Sommerwiederholungen 19 (04.08.19 - 08.09.19)

Prof. Dr. Rainer Mausfeld Prof. Dr. Rainer Mausfeld
Elitendemokratie und Meinungsmanagement. Hat sich die Vorstellung vom "mündigen Bürger" überlebt?

Sendezeit: So 04.08.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 02.12.2018


Die Idee der Demokratie entsprang aus der Bemühung, eine gesellschaftliche Organisationsform zu finden, die am ehesten einen inneren (und äußeren) Frieden gewährleistet. Demokratie beruht auf der Idee, dass die Bürger zur politischen Selbstbestimmung befähigt sind. Inzwischen ist die Komplexität moderner Gesellschaften so groß geworden, dass kein Einzelner sie mehr zu erfassen vermag. Hat sich damit das demokratische Leitideal überlebt? Rainer Mausfeld erörtert diese Frage anhand der Kontroverse zwischen Walter Lippmann und John Dewey, zwei der bedeutendsten politischen Intellektuellen des vergangenen Jahrhunderts. Lippmann hielt die Idee des mündigen Bürgers‘ für eine Fiktion und plädierte für eine von Experten gelenkte Elitendemokratie. Dewey hingegen band die Frage der politischen Mündigkeit an die Voraussetzung eines freien und unverzerrten öffentlichen Debattenraumes. Diese Kontroverse ist auch für ein Verständnis der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen erhellend.



Prof. Dr. Heinz Bude Prof. Dr. Heinz Bude
Soziale Ungleichheiten in der Zukunft

Sendezeit: So 11.08.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 05.11.2017


Eine tiefe Spaltung zieht sich durch unsere Gesellschaft. Müssen wir uns vom Traum einer gerechten Gesellschaft verabschieden? Immer mehr Menschen sind von den Segnungen des Wohlstands ausgeschlossen und haben keine Hoffnung mehr, dass sich daran etwas ändert. Lebensläufe, die man für solide hielt, geraten ins Schlingern, weil Arbeitsplätze, die man sicher glaubte, wegbrechen. Ungelernte Aushilfskräfte kann es genauso treffen wie hochqualifizierte Wissenschaftler. Heinz Bude entwirft in diesem Vortrag ein Bild der zerklüfteten Verhältnisse, die in Zukunft immer stärker unsere Gesellschaft prägen werden.



Prof. Dr. Miriam Meckel Prof. Dr. Miriam Meckel
Mein Kopf gehört mir. Die schöne neue Welt des Brainhacking

Sendezeit: So 18.08.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 19.05.2019


Der technologische Fortschritt hat das menschliche Gehirn ins Visier genommen. Und mit ihm wachsen die Erwartungen an unsere grauen Zellen… Könnte unser Denken nicht effizienter sein? Brauchen wir wirklich acht Stunden Schlaf? Können wir unsere Stimmungen nicht durch gezielte Hirnstimulationen aufhellen? Schon jetzt ist vieles möglich: per Denken Texte schreiben, ein Computerspiel spielen oder über ein Hirnimplantat Gelähmten einen Teil ihres Bewegungsspielraums zurückgeben. Wir sind dabei, eine gefährliche Grenze zu überschreiten. Unsere Gedanken werden auslesbar, unser Denken wird berechenbar, wir werden optimierbar. Aber das Gehirn zu manipulieren heißt, die Persönlichkeit zu manipulieren. Das Gesicht der Menschheit wird sich verändern, wenn wir beginnen, unser Gehirn als Zone der Selbstverbesserung und als ökonomische Ressource zu begreifen. Wir müssen, so warnt Miriam Meckel, die Autonomie über unseren Kopf behalten – als Privatsphäre des Denkens, als Kreativraum und Refugium des Bewusstseins.



Dr. Gernot Erler Dr. Gernot Erler
Weltordnung ohne Westen? Europa zwischen Russland, China und Amerika

Sendezeit: So 25.08.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 10.03.2019


Die Jahrzehnte gültige Weltordnung ist erschüttert und neue globale Machtverhältnisse entstehen. Von einem „Post-West-Zeitalter“ ist die Rede, in Moskau wie Peking erhebt man den Anspruch, Ordnungsmacht auch im globalen Maßstab zu sein. Dabei trifft die in der Krise steckende Europäische Union vor allem auf drei große Player: Russland mit einem zwischen Kooperation und Konfliktbereitschaft pendelnden Putin. Das durch seinen wirtschaftlichen Aufstieg mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattete China. Die USA mit der „America First“-Politik eines unberechenbaren Donald Trump. Welche Optionen hat Europa in dieser Situation? Kann die EU der Dynamik der neuen Ordnungsmächte etwas entgegensetzen? Sind die europäischen Werte noch durchsetzbar? Und welchen Einfluss hat Deutschland?



Prof. Dr. Wolfgang Streeck Prof. Dr. Wolfgang Streeck
Politische Stagnation - Reflexionen über einen unhaltbaren Zustand

Sendezeit: So 01.09.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 14.04.2019


In den drei Jahrzehnten nach 1945 schien ein von den USA international koordinierter sozialdemokratischer Keynsianismus die Spannungen zwischen internationalem Kapitalismus und nationaler Demokratie beigelegt zu haben. Spätestens in den 80er-Jahren kehrte jedoch der Neoliberalismus als Versuch zurück, nationale Politik im Zuge der sogenannten „Globalisierung“ von wirtschaftlicher Einflussnahme auszuschließen. Seit der Krise 2008 lässt sich weltweit eine Inanspruchnahme nationaler demokratischer Institutionen durch neue, als „populistisch“ bezeichnete politische Kräfte beobachten, meist von rechts, aber auch von links, die sich der wirtschaftlichen Neutralisierung des Nationalstaats zugunsten selbstregierender unbegrenzter Märkte widersetzen. In zahlreichen Ländern des früheren „Westens“ ist das Resultat ein politisch-kultureller Grabenkrieg, der von politischer Stagnation begleitet wird. Wie genau stellt sich diese, insbesondere in Europa und Deutschland, dar?



Sir Paul Tucker Sir Paul Tucker
Die politische Unabhängigkeit der Zentralbanken und das Problem ihrer verfassungsmäßigen Kontrolle

Sendezeit: So 08.09.2019, 07:30h
Erstausstrahlung: So 28.04.2019


Die von der Tagespolitik weitgehend abgekoppelte Entwicklung der EZB und anderer unabhängiger Instanzen der Geldpolitik hat dazu geführt, dass die heutigen Zentralbanken mit regulatorischen und quasi-fiskalischen Vollmachten ausgestattet sind, die sie neben der Justiz und dem Militär zu Säulen einer nichtgewählten Regierung machen. Die Lücke in der Verfassungsordnung macht deutlich, wie sehr sich politische Theorie und institutionelle Praxis auseinander entwickelt haben. Der Vortrag will die prinzipiellen Beschränkungen aufzeigen, die nötig sind, um die Unabhängigkeit der Zentralbanken mit demokratischen Werten, der Herrschaft des Rechts und einem verfassungsmäßigen Handeln in Einklang zu bringen. Im Zentrum stehen eine glaubwürdige Verpflichtung, die demokratische Wahl, der Wert einer eingehenden öffentlichen Debatte und die Notwendigkeit klarer Ziele, deren Einhaltung kontrolliert werden kann.