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Referenten alphabetisch

2. Halbjahr 20 (13.09.20 - 07.03.21)

Sir Paul Nurse Sir Paul Nurse
Science as Revolution

Sendezeit: So 13.09.2020, 07:30h


Die faustische Frage, was denn die Welt im Innersten zusammenhält, beschäftigt die Menschen seit der Antike, als griechische Philosophen und Wissenschaftler das rationale Denken begründeten. Wissenschaftliche Arbeit hinterfragt vermeintliche Sicherheiten, sie verlangt genaue Beobachtung, experimentelle Methoden und reproduzierbare Ergebnisse. Francis Bacon formulierte es zu Beginn des 17. Jahrhunderts so: „Wenn eine Person mit Gewissheiten beginnt, wird sie in Zweifeln enden, doch wenn sie mit Zweifeln beginnt, wird sie in Gewissheiten enden“. In diesem Vortrag zeigt Paul Nurse, wie die Naturwissenschaften und ihre bahnbrechenden Entdeckungen den Lauf der Zeit, die Zivilisation, das Leben der Menschen und ihren Blick auf die Welt nachhaltig verändert haben. Dabei spannt er den Bogen vom Beginn der Landwirtschaft über große Wissenschaftlerpersönlichkeiten der Neuzeit wie Darwin, Einstein, Pasteur oder Mendel bis in unsere Gegenwart. Mehr als politische und gesellschaftliche Revolutionen, so lautet seine zentrale These, haben uns die Ergebnisse der Wissenschaft verändert. Sie kann als die am längsten währende Revolution betrachtet werden, und sie wird auch in Zukunft revolutionäre Veränderungen hervorbringen.



Prof. Dr. Jörg Hacker Prof. Dr. Jörg Hacker
Pathogene Mikroben - 100 Jahre nach Robert Koch

Sendezeit: So 20.09.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 06.02.2011


Infektionen haben die Menschheit seit alters her begleitet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es viele Interpretationen im Hinblick auf die Ursache von Infektionskrankheiten. Die Vertreter der "Goldenen Ära der Mikrobiologie", vor allem Robert Koch in Berlin und Louis Pasteur in Paris, haben das Auftreten von Infektionskrankheiten auf sogenannte "pathogene Agentien", also Mikroben wie Bakterien, Viren oder pathogene Pilze zurückführen können.



Prof. Dr. Constanze Wendt Prof. Dr. Constanze Wendt
Viren und andere Mikroben - Probleme der Zukunft

Sendezeit: So 27.09.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 13.02.2011


In den letzten 100 Jahren hat es viele Fortschritte in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten gegeben. Mit der Einführung hygienischer Maßnahmen, z. B. der Kontrolle von Trink- und Abwasser, der Kontrolle von Lebensmitteln und einer Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen, wurde die Ausbreitung von Krankheiten reduziert. Die Entdeckung der Prinzipien von Asepsis und Antisepsis führte zu einer erheblichen Reduktion von Wundinfektionen und die Entwicklung und Durchführung von Impfungen stellte ein in der Vergangenheit erfolgreiches Modell der Krankheitsbekämpfung dar. Die Entdeckung der Antibiotika führte schließlich zu dem euphorischen Glauben, dass man die Infektionskrankheiten besiegt habe. Doch gerade durch die massenhafte antibiotische Behandlung zeigte sich die hohe Anpassungsfähigkeit der Mikroorganismen. Heute mehren sich Meldungen von multiresistenten Keimen, die, besonders in Krankenhäusern, die Menschen bedrohen.



Dr. Sandra Rebok Dr. Sandra Rebok
Humboldt als Agent? Wissenstransfer und strategische Geheimnisse

Sendezeit: So 04.10.2020, 07:30h


Von 1799 bis 1804 unternahm Alexander von Humboldt eine beeindruckende Reise durch das damalige Spanischamerika, die heutigen Länder Venezuela, Kuba, Kolumbien, Ecuador, Peru und Mexiko – eine Reise, die nur dank einer umfassenden Genehmigung durch die spanische Krone möglich war. Danach besuchte er auch die aufstrebenden Vereinigten Staaten, traf Thomas Jefferson und gab geographische und statistische Informationen über das spanische Kolonialreich an die amerikanische Regierung weiter. Noch heute wird Humboldt deshalb teilweise als Agent der USA betrachtet, während andere ihn als Werkzeug des spanischen Imperiums sehen. Warum fühlte Humboldt sich berechtigt, über die Verbreitung seines Wissens frei zu verfügen? Und welche Auswirkungen hatte sein Vorgehen auf die beteiligten Nationen? Sandra Rebok erklärt Humboldts Beweggründe und seine Rolle zwischen dem spanischen Imperium und den jungen, expandierenden Vereinigten Staaten von Amerika.



Lord Rees of Ludlow Lord Rees of Ludlow
From Big Bang to Biospheres – and beyond. Kleine Geschichte der Kosmologie

Sendezeit: So 11.10.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 21.11.2010


Mit modernen Technologien hat die Astronomie erstaunliche Fortschritte bei der Erkundung des Weltalls gemacht. Wir wissen heute, dass unser Universum vor fast 14 Milliarden Jahren in einem geheimnisvollen "Anfangsereignis" entstanden ist. Und wir können in groben Zügen die Entstehung von Atomen, Sternen, Planeten und Galaxien nachvollziehen. Wir wissen auch, wie das Leben auf unserem Planeten entstanden ist und wie sich eine Biosphäre entwickelt hat, zu der auch der Mensch gehört. Neue Fragen tun sich auf: Was war vor dem "Urknall"? Wie weit ist Leben im Universum verbreitet? Ist die physikalische Wirklichkeit ausgedehnter und vielfältiger als der Bereich, den wir mit unseren Teleskopen erkunden können?



Prof. Dr. Matthias Winzen Prof. Dr. Matthias Winzen
Der Flugwunsch

Sendezeit: So 18.10.2020, 07:30h


Was wollen wir vom Fliegen? Was fasziniert uns am Fliegen? Welche Sehnsucht zieht die Menschen in die Luft? Für alle Fragen scheinen heute ökonomische Erklärungen die naheliegenden und die letztendlichen zu sein. Es wird so viel geflogen, weil wir auf diese Weise große Distanzen schnell überwinden und damit Zeit sparen können, und weil Fluggesellschaften damit so viel Geld verdienen. Matthias Winzen verfolgt in diesem Vortrag die allgemeineren und kulturellen Hintergründe, die dem Traum vom Fliegen seit jeher Auftrieb gegeben haben und ihm heute weiter Auftrieb geben…



Prof. Dr. Markus Raffel Prof. Dr. Markus Raffel
Flugversuche. In den Fußstapfen des Piloten Otto Lilienthal

Sendezeit: So 25.10.2020, 07:30h


Im Jahr 1891 wurde Otto Lilienthal zum ersten Piloten der Menschheit. Seitdem hat die Faszination für diesen Pionier der Luftfahrt Wissenschaftler, Flieger, Techniker und Sportler in ihren Bann gezogen. Nach Lilienthals tragischem Tod am 10. August 1896 durch einen Absturz mit dem Eindecker, waren seine Flugapparate allerdings außerhalb Deutschlands in den Verdacht geraten, keine ausreichende Flugstabilität und Steuerbarkeit zu besitzen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt nahm das Jubiläum „125 Jahre Menschenflug“ zum Anlass, einen Lilienthal‘schen Flugapparat nachzubauen und einem wissenschaftlichen Forschungsprogramm mit heutigen Messmethoden zu unterziehen. Markus Raffel zeigt in diesem Vortrag anschaulich, wie die neuen Windkanal- und Flugversuche durchgeführt und ausgewertet wurden und was über Otto Lilienthals Vorgehen bekannt ist.



Prof. Dr. Peter Berthold Prof. Dr. Peter Berthold
Vogelzug

Sendezeit: So 08.11.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 13.06.2004


Vogelzug ist eine der faszinierendsten Erscheinungen unserer lebenden Umwelt. Die Routen der Zugvögel umspannen den ganzen Erdball. Erstaunliche physiologische Anpassungen ermöglichen es ihnen, alle als Barrieren wirkenden Gebiete wie Ozeane, Hochgebirge oder Wüsten zu überwinden, oft in Nonstopflügen über Tausende von Kilometern. In den letzten fünfzig Jahren ist es gelungen, die Steuerungs- und Orientierungsmechanismen von Zugvögeln weitgehend zu analysieren. Peter Berthold führt lebendig und anschaulich in dieses spannende Gebiet ein.



 Uwe Schneidewind Uwe Schneidewind
Zukunftskunst. Gelingt uns die Wende zu einer nachhaltigen Entwicklung?

Sendezeit: So 15.11.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 06.10.2019


Wachstum ist immer noch das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Credo. Allerdings wird immer unabweisbarer, dass wir damit längst an die ökologischen Grenzen des Planeten stoßen. Inzwischen streiken Schulkinder für eine bessere Klimapolitik und eine bayrische Petition gegen das Insektensterben erhält 1,7 Millionen Unterschriften. Energiewende, Ernährungswende, Mobilitätswende - der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit wird immer lauter. Uwe Schneidewind skizziert in diesem Vortrag, wie die Gestaltung einer Zukunft aussehen könnte, die den drängenden Herausforderungen gerecht wird.



Prof. Dr. Gernot Wagner Prof. Dr. Gernot Wagner
Klimaschock. Über die wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels

Sendezeit: So 22.11.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 29.09.2019


Warum unternehmen wir nicht viel mehr, um unseren Planeten vor dem Klimawandel zu schützen? Die Tatsachen, über die wir bereits Bescheid wissen, wie zum Beispiel der steigende Meeresspiegel, sind gefährlich genug. Aber noch viel schlimmer könnte sein, was wir nicht wissen - und auch gar nicht wissen können: etwa was das als kurzfristige Lösung des Klimaproblems angedachte "Geo Engineering", also die künstliche Beeinflussung des Klimas, tatsächlich anrichten könnte. Wollen wir uns dieses Risiko wirklich leisten? Gernot Wagner macht deutlich, dass es nicht um die Wahl zwischen Wirtschaftswachstum oder Klima geht. Es geht darum, unser tägliches Handeln mit dem Klimaschutz in Einklang zu bringen und diesen wie eine persönliche Versicherung zu betrachten: als eine Frage des Risikomanagements in einem globalen, für die gesamte Menschheit existenziellen Ausmaß.



 Jürgen Kaube Jürgen Kaube
Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?

Sendezeit: So 29.11.2020, 07:30h


Non scholae, sed vitae discimus - nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Das schrieb bereits der römische Autor Seneca an einen Freund. Aber trifft das für unsere Schulen zu? Der Eindruck, den Schule heute vermittelt, ist der einer Einrichtung, die so sehr mit tatsächlichen oder vermeintlichen Pflichten überhäuft ist, dass der Unterricht oft auch nur pflichtschuldig erteilt wird, anstatt den Verstand der Schüler anzuregen. Die Frage, warum sie das machen, was sie machen, entlockt vielen Schülern nur ein Achselzucken. Für Jürgen Kaube ist die Schule, wie sie jetzt ist, eine Fehlkonstruktion. Sie bringt den Schülern häufig Dinge bei, die sie weder brauchen noch verstehen, und die sie vor allem fast komplett wieder vergessen. Dabei reagiert die Schule viel zu stark auf immer neue Anforderungen, die von außen an sie gestellt werden. Kaube plädiert für eine Reduktion auf das Wesentliche: Kinder sollen neben den Kulturtechniken vor allem Denken lernen, Urteilskraft und Weltverständnis entwickeln, denn das verlangt eine sich rasant verändernde Welt mehr denn je.



Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin
Bildungshumanismus und Digitalisierung. Wie gestalten wir das Lernen der Zukunft?

Sendezeit: So 06.12.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 10.11.2019


Die Grundidee des Humanismus ist, dass Menschen Autorinnen oder Autoren ihres Lebens sind, dass sie imstande sind verantwortlich zu handeln. Eine humane Bildungspraxis ist darauf gerichtet, die Bedingungen für die Realisierung dieses Menschenbildes zu schaffen. Sie nimmt den ganzen Menschen in den Blick und bemüht sich darum, eine Kohärenz emotiver und kognitiver, ästhetischer und ethischer Erfahrungen und Einstellungen zu entwickeln. Die große Herausforderung der Bildung in Zeiten der Digitalisierung besteht darin, den aktuellen Trend zur Daten-Ökonomie in eine Entwicklung zur Wissensgesellschaft zu transformieren. Wissen aber verlangt Urteilskraft. Erst die Bewertung und Einordnung und Interpretation von Daten kann Wissen konstituieren. Bislang leben wir infolge der Digitalisierung nicht in einer Wissensgesellschaft, sondern allenfalls in einer Datengesellschaft. Der digitale Humanismus fordert, die neuen Technologien zum Wohl der Menschen einzusetzen, sich nicht in transhumanistischen Utopien zu verlieren, keine Roboter als Menschenersatz einzusetzen, sondern die menschlichen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.



Prof. Dr. Gunter Dueck Prof. Dr. Gunter Dueck
Bildung der Zukunft oder Kopfreform?

Sendezeit: So 13.12.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 25.09.2016


Immer mehr Wissen und Kompetenz wandert in automatisierte Systeme. Damit ändern sich die Anforderungen in einer gleichzeitig immer komplexeren Arbeitswelt. Reines Fachwissen verliert an Bedeutung, Anpassung an sich stetig wandelnde Prozesse, Offenheit und Neugier werden immer wichtiger. Gunter Dueck beschreibt in diesem Vortrag anhand vieler Beispiele welche Kompetenzen in der Arbeitswelt von morgen gefragt sind.



Prof. Dr. Miriam Meckel Prof. Dr. Miriam Meckel
Mein Kopf gehört mir. Die schöne neue Welt des Brainhacking

Sendezeit: So 10.01.2021, 07:30h
Erstausstrahlung: So 19.05.2019


Der technologische Fortschritt hat das menschliche Gehirn ins Visier genommen. Und mit ihm wachsen die Erwartungen an unsere grauen Zellen. Könnte unser Denken nicht effizienter sein? Brauchen wir wirklich acht Stunden Schlaf? Können wir unsere Stimmungen nicht durch gezielte Hirnstimulationen aufhellen? Schon jetzt ist vieles möglich: per Gedankensteuerung Texte schreiben, ein Computerspiel spielen oder über ein Hirnimplantat Gelähmten einen Teil ihres Bewegungsspielraums zurückgeben. Wir sind dabei, eine gefährliche Grenze zu überschreiten. Unsere Gedanken werden auslesbar, unser Denken wird berechenbar, wir werden optimierbar. Aber das Gehirn zu manipulieren heißt, die Persönlichkeit zu manipulieren. Das Gesicht der Menschheit wird sich verändern, wenn wir beginnen, unser Gehirn als Zone der Selbstverbesserung und als ökonomische Ressource zu begreifen. Wir müssen, so warnt Miriam Meckel, die Autonomie über unseren Kopf behalten - als Privatsphäre des Denkens, als Kreativraum und Refugium des Bewusstseins.



Prof. Dr. Martin Korte Prof. Dr. Martin Korte
Wir sind Gedächtnis. Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind

Sendezeit: So 17.01.2021, 07:30h
Erstausstrahlung: So 25.03.2018


86 400 Sekunden hat ein Tag, und in jeder Sekunde verarbeiten wir Sinneswahrnehmungen, speichern neues Wissen und erinnern uns an Vergangenes. Es erscheint uns selbstverständlich, dass wir den Alltag meistern, ohne von der Informationsflut überwältigt zu werden. Aber dass uns dies gelingt, verdanken wir einer Meisterleistung der Natur: unserem Gedächtnis. Der Hirnforscher Martin Korte beschreibt in diesem Vortrag, wie vielfältig das Gedächtnis unser Denken und Handeln bestimmt - und wie wandelbar unsere Erinnerungen sind, die bei jedem Abrufen neu konstruiert werden. Er erläutert die unbewussten Seiten des Gedächtnisses, die etwa unsere Intuition und Routinehandlungen steuern, und erklärt, warum Schlaf und Vergessen so essentiell für unsere Gedächtnisprozesse sind. Erinnerungen, so Martin Korte, sind nicht nur eine Anhäufung von Wissen und Einzelheiten unserer Autobiographie, sondern der Stoff, aus dem unsere Identität gemacht ist.



Prof. Dr. Eva Jaeggi Prof. Dr. Eva Jaeggi
Wer bin ich? Frag doch die anderen!

Sendezeit: So 24.01.2021, 07:30h
Erstausstrahlung: So 08.04.2018


In diesem Vortrag geht Eva Jaeggi der faszinierenden Frage nach, wie die Identität eines Menschen entsteht. Vor dem Hintergrund neuester psychologischer Theorien erklärt sie, auf welche Weise Einflüsse von außen, Zuschreibungen von Eltern, Partnern, Freunden oder Kollegen, aber auch Status oder Beruf unsere Identität maßgeblich formen und auch immer wieder verändern können. In einer Zeit, in der feste Rollen und vorgezeichnete Lebenspfade kaum mehr existieren, scheinen wir die anderen mehr denn je zu brauchen, um herauszufinden, wer wir wirklich sind.



Prof. Dr. Hartmut Rosa Prof. Dr. Hartmut Rosa
Sinnsuche und Resonanzbedürfnis

Sendezeit: So 31.01.2021, 07:30h
Erstausstrahlung: So 15.04.2018


Sowohl in der Philosophie als auch in der Soziologie hat die Diagnose, die Moderne trockne nach und nach die "Sinnressourcen" der Gesellschaft aus und führe die Menschen in Sinnkrisen, eine lange Tradition. Menschen erfahren ihr Leben als sinnvoll, wenn sie sich mit der Welt - mit anderen Menschen, mit der Natur, mit ihrer Arbeit, mit ihrer Umgebung - lebendig verbunden fühlen. Anders ausgedrückt: wenn sie Resonanz erleben und die Welt zu ihnen spricht. Ob wir in einer Resonanzbeziehung mit der Welt leben können oder nicht, hängt allerdings nicht nur von uns selbst ab. Es bedarf eines entgegenkommenden "Resonanzraumes", der zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen hat. Wo wir institutionell in "stumme", instrumentelle Verhältnisse gezwungen werden, erfahren wir unser Leben als entfremdet und eben deshalb oft auch als sinnlos.



 Ariadne von Schirach Ariadne von Schirach
Du sollst nicht funktionieren. Für eine neue Lebenskunst

Sendezeit: So 07.02.2021, 07:30h
Erstausstrahlung: So 10.01.2016


Wir wollen attraktiv und jugendlich, gesund, beliebt, erfolgreich und selbstverständlich glücklich sein. Und wir glauben, wenn wir nur hart genug an uns arbeiten und immer alles richtig machen, dann kann uns das auch gelingen. Dabei unterwerfen wir uns auch in unserer persönlichen Lebensgestaltung den Werten des Marktes, der alles auf seine Verwertbarkeit hin untersucht und alles, womit er in Berührung kommt, in ein Geschäft verwandelt. Wir sind Unternehmen und Produkt zugleich, immer bemüht um Selbstoptimierung. Aber: Die Welt ist wie sie ist und hat doch den Wert, den wir ihr geben. Es ist Zeit, meint Ariadne von Schirach, für neue Perspektiven und Geschichten, die uns ermuntern, das Leben zu gestalten, anstatt es immer weiter auszubeuten.



Prof. Dr. Maren Urner Prof. Dr. Maren Urner
Schluss mit Weltuntergang. Wie uns eine konstruktive(re) Weltsicht gelingt

Sendezeit: So 21.02.2021, 07:30h


Egal ob morgens in der Zeitung, abends im TV oder gleich den ganzen Tag im Liveticker auf dem Smartphone: Kriege, Skandale, Katastrophen. Die Gegenwart ist schlecht, und in Zukunft wird alles noch schlimmer. Diese Sicht der Dinge drängt sich auf, wenn wir versuchen, uns über den Zustand der Welt zu informieren. Maren Urner warnt vor den teilweise fatalen Auswirkungen dieser Art von Berichterstattung. Wir sind ständig gestresst, unser Gehirn ist dauerhaft im Angstzustand, und unsere Sicht auf die Welt wird oft durch Schwarz-Weiß-Malerei verzerrt. Wir können keinen Überblick über die Geschehnisse gewinnen, sondern bleiben häufig rat- und hilflos zurück. Denn unser Steinzeithirn wird täglich von der digitalen Informationslandschaft der modernen Medienwelt überfordert. Das müsste nicht sein, so Maren Urner. Sie wünscht sich einen Journalismus, der besser einordnet und lösungsorientiert berichtet. In diesem Vortrag gibt sie einen Crashkurs in kritischem Denken, der als Werkzeugkasten in der digitalen Medienwelt dienen kann.



Prof. Dr. Siegfried Unseld Prof. Dr. Siegfried Unseld
Der Autor und sein Verleger, der Verleger und seine Autoren

Sendezeit: So 28.02.2021, 07:30h
Erstausstrahlung: So 07.11.1999


Mit der neuen KLASSIKER-Reihe öffnet die TELE-AKADEMIE künftig in unregelmäßiger Folge ihren enormen, in 33 Jahren entstandenen Archiv-Fundus. Wir möchten dem Zuschauer damit die Gelegenheit geben, besondere Persönlichkeiten, herausragende Wissenschaftler, bedeutende Denker und Gestalter nicht nur im Text oder im kurzen Filmausschnitt zu erleben, sondern ihnen noch einmal ausführlich, quasi „live“ im Vortrag begegnen zu können. Den Anfang macht Siegfried Unseld, der wie kein anderer die deutsche Nachkriegsliteratur geprägt hat, und der als bedeutendster Verleger unserer Zeit gilt.



 Robert Gernhardt Robert Gernhardt
Leben im Labor – Über einige Erfahrungen beim Verfassen von Gedichten

Sendezeit: So 07.03.2021, 07:30h
Erstausstrahlung: So 11.09.2005


2006 verstarb Robert Gernhardt nach schwerer Krankheit in Frankfurt am Main. Mit seinen humorigen und oft auch ernsten Gedichten galt er als einer der wichtigsten Lyriker der deutschen Nachkriegszeit. Die TELE-AKADEMIE möchte mit dieser Wiederholungssendung vom September 2005 den Zuschauern noch einmal die Gelegenheit zur Begegnung mit dieser Ausnahmepersönlichkeit geben. Robert Gernhardts Vortrag ist ein Werkstattbericht, der anhand einer Vielzahl praktischer Beispiele vom Bemühen des Dichters erzählt, einem großen Vorbild nachzueifern: "Wie kann man es anders machen?" pflegte Ernst Lubitsch bei Dreharbeiten zu fragen. Das Ergebnis war der berühmte "Lubitsch-touch". Kann dieses Verfahren auch auf die Lyrik angewandt werden?