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März 2020

 Ariadne von Schirach Ariadne von Schirach
Die psychotische Gesellschaft. Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden

Sendezeit: So 01.03.2020, 07:30h


Selbstmordattentäter, Geflüchtete, populistische Präsidenten, das Klima, eine durchökonomisierte Welt… Der krisenhafte Zustand, in dem wir stecken, hat viele Gründe. Und er betrifft schon lange nicht mehr nur das Sichtbare, sondern er reicht tief in das Unsichtbare hinein: in das Soziale, in den Umgang mit uns selbst, den anderen und der Welt. Alles haben wir zum Marktwert degradiert. Das Resultat, so Ariadne von Schirach, ist eine psychotische Gesellschaft, deren Mitglieder unfähig sind, angemessen und wertschätzend miteinander umzugehen. In diesem Vortrag mahnt sie, uns an unsere Würde, unsere Träume und unsere Verantwortung für unser eigenes und unser gemeinsames Leben zu erinnern.



Prof. Dr. Matthias Glaubrecht Prof. Dr. Matthias Glaubrecht
Das Ende der Evolution. Der Mensch und die Vernichtung der Arten

Sendezeit: So 08.03.2020, 07:30h


Während wir viel über den Klimawandel reden, spielt sich weltweit vor unseren Augen eine biologische Tragödie ab, über deren Dramatik und Dimension wir uns nicht annähernd bewusst zu sein scheinen: ein rasanter Verlust an Biodiversität, der größte Artenschwund seit dem Aussterben der Dinosaurier. Der Mensch ist heute zum größten Raubtier und zum entscheidenden Evolutionsfaktor mutiert, der die Existenz aller Lebewesen - auch seine eigene - gefährdet. Matthias Glaubrecht umreißt in diesem Vortrag, wie der Mensch entstand und mit seiner evolutiv erfolgreichen Pioniermentalität zum stärksten Treiber geologischer und ökologischer Prozesse auf der Erde wurde. Doch mit seiner exponentiell ansteigenden Bevölkerung von geschätzt 11 Milliarden am Ende dieses Jahrhunderts und dem dadurch bedingten enormen Ressourcenverbrauch manövriert er andere Arten und schließlich auch sich selbst zunehmend ins Aus. Ist das Ende der Evolution noch aufzuhalten?



Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier
Die Warnung. Über die schleichende Erosion des Rechtsstaats

Sendezeit: So 15.03.2020, 07:30h


Vor dem Gesetz sind alle gleich. Doch was geschieht, wenn geltendes Recht nicht mehr für jeden gilt und nicht ausnahmslos greift? Wenn gefällte Urteile nicht vollzogen werden? Wenn sich Parallelgesellschaften bilden, die Gesetze nicht respektieren? Wenn der Staat auf neue Entwicklungen nicht angemessen reagiert, und wenn die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit verloren geht? Hans-Jürgen Papier beobachtet mit Sorge die fortschreitende Erosion unseres Rechtsstaats, der zunehmend an Stabilität, Autorität und Autonomie verliert. Freiheit und Sicherheit erscheinen vielen heute selbstverständlich, doch sie sind hart erkämpft und müssen auch heute noch geschützt werden. Nur wenn Verfassung und Gesetz ausnahmslos geachtet und durchgesetzt und willkürliche politische Entscheidungen nicht zugelassen werden, können die bürgerlichen Freiheiten gesichert und gewahrt werden.



Prof. Dr. Wolfgang Streeck Prof. Dr. Wolfgang Streeck
Politische Stagnation - Reflexionen über einen unhaltbaren Zustand

Sendezeit: So 22.03.2020, 07:30h
Erstausstrahlung: So 14.04.2019


In den drei Jahrzehnten nach 1945 schien ein von den USA international koordinierter sozialdemokratischer Keynesianismus die Spannungen zwischen internationalem Kapitalismus und nationaler Demokratie beigelegt zu haben. Spätestens in den 80er-Jahren kehrte jedoch der Neoliberalismus als Versuch zurück, nationale Politik im Zuge der sogenannten "Globalisierung" von wirtschaftlicher Einflussnahme auszuschließen. Seit der Krise 2008 lässt sich weltweit eine Inanspruchnahme nationaler demokratischer Institutionen durch neue, als "populistisch" bezeichnete politische Kräfte beobachten, meist von rechts, aber auch von links, die sich der wirtschaftlichen Neutralisierung des Nationalstaats zugunsten selbstregierender unbegrenzter Märkte widersetzen. In zahlreichen Ländern des früheren "Westens" ist das Resultat ein politisch-kultureller Grabenkrieg, der von politischer Stagnation begleitet wird. Wie genau stellt sich diese, insbesondere in Europa und Deutschland, dar?



Prof. Dr. Christoph Schönberger Prof. Dr. Christoph Schönberger
Politische Stabilität zwischen Verfassungsmythen und Techniken des Machterhalts

Sendezeit: So 29.03.2020, 07:30h


Zu den Mythen der Bundesrepublik gehört die Erzählung von der politischen Stabilität, die dem Grundgesetz im Kontrast zu Weimar als Leistung zugeschrieben wird. Der Vortrag setzt sich kritisch mit dieser Stabilitätserzählung auseinander. Sie überschätzt einzelne rechtliche Instrumente und Einrichtungen der Bundesrepublik – wie etwa das konstruktive Misstrauensvotum, das Parteienverbot und die Fünf-Prozent-Sperrklausel – in ihrer Stabilisierungswirkung erheblich. Zugleich leistet sie einer demokratiefremden Fetischisierung von Stabilität Vorschub und legitimiert gerade unter den Bedingungen eines grundlegenden Umbruchs des Parteiensystems nicht selten nur noch Techniken des Machterhalts.