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Bildungshumanismus und Digitalisierung
Wie gestalten wir das Lernen der Zukunft?

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin
Sendezeit: So. 10.11.2019, 7.30h

Zum Vortrag

Die Grundidee des Humanismus ist, dass Menschen Autorinnen oder Autoren ihres Lebens sind, dass sie imstande sind verantwortlich zu handeln. Eine humane Bildungspraxis ist darauf gerichtet, die Bedingungen für die Realisierung dieses Menschenbildes zu schaffen. Sie nimmt den ganzen Menschen in den Blick und bemüht sich darum, eine Kohärenz emotiver und kognitiver, ästhetischer und ethischer Erfahrungen und Einstellungen zu entwickeln. Die große Herausforderung der Bildung in Zeiten der Digitalisierung besteht darin, den aktuellen Trend zur Daten-Ökonomie in eine Entwicklung zur Wissensgesellschaft zu transformieren. Wissen aber verlangt Urteilskraft. Erst die Bewertung und Einordnung und Interpretation von Daten kann Wissen konstituieren. Bislang leben wir infolge der Digitalisierung nicht in einer Wissensgesellschaft, sondern allenfalls in einer Datengesellschaft. Der digitale Humanismus fordert, die neuen Technologien zum Wohl der Menschen einzusetzen, sich nicht in transhumanistischen Utopien zu verlieren, keine Roboter als Menschenersatz einzusetzen, sondern die menschlichen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.

Zur Person

Professor Dr. Julian Nida-Rümelin lehrt Philosophie und politische Theorie an der Universität München. Er war Kulturstaatsminister im ersten Kabinett von Gerhard Schröder. Seit 2018 ist er Direktor des Bayerischen Forschungsinstituts für digitale Transformation und leitet den Bereich Kultur am Zentrum Digitalisierung Bayern.