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Organisiertes Verbrechen: die Kriminalität im 3. Jahrtausend


Roberto Scarpinato
Sendezeit: So. 24.10.2010, 8.00h

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Zum Vortrag

Eine Kehrseite der globalisierten Welt ist die Verbreitung grenzüberschreitender Organisierter Kriminalität. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall der Berliner Mauer machten sich die Akteure des Organisierten Verbrechens die neuen politischen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen zunutze, um transnationale Netzwerke aufzubauen. Dabei geht es inzwischen längst nicht mehr nur um Waffenschmuggel, Frauenhandel oder Drogengeschäfte. Von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen, sickert die Organisierte Kriminalität in fast alle Lebensbereiche ein. Schätzungen zufolge stammen etwa 20 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts aus kriminellen Aktivitäten. Verhaftet in den Grenzen ihrer jeweiligen territorialen Souveränität, vermögen es die Staaten nicht mehr, die global agierende Wirtschaft zu kontrollieren. Private Interessen gewinnen immer mehr Einfluss auch auf politische Entscheidungen. Der Themenschwerpunkt beschreibt die Entstehung und die in verschiedenen Ländern unterschiedlichen Ausprägungen dieses Phänomens. Er möchte die Wahrnehmung für die Komplexität eines der größten Probleme unserer Zeit schärfen.

Zur Person

Roberto Scarpinato wurde 1952 in Caltanissetta/Sizilien geboren. Er ist leitender Oberstaatsanwalt der Anti-Mafia-Direktion in Palermo. Sein Vater war Richter, der sich bereits gegen die Mafia eingesetzt hatte. Scarpinato studierte selbst Jura in Catania und war ab 1977 einige Jahre als Richter in Rom tätig. Ab 1988 arbeitete er mit den Richtern Giovanni Falcone und Paolo Borsellino zusammen, die 1992 von der Mafia ermordet wurden. Er wurde stellvertretender Generalstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft in Palermo, wo er an zahlreichen Mafia-Prozessen beteiligt war. Die Ermordung des Präsidenten der Region Siciliana Piersanti Mattarella und des palermitanischen Polizeichefs Carlo Alberto Dalla Chiesa zählten zu seinen Fällen. Im Prozess gegen den siebenmaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti trat Scarpinato als Chefankläger auf. Scarpinato beschäftigt sich insbesondere mit der Verbindung der Mafia zu Politik und Wirtschaft. Da Scarpinato vehement gegen die Mafia vorgeht, steht er seit 1989 unter strengem Personenschutz und kann sich nicht mehr frei in der Öffentlichkeit bewegen. Er entging bereits vier Attentaten.

Ausgewählte Veröffentlichungen