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Chaos und Naturgesetze
– Chaos and the Law of Nature –

Prof. Dr. Ilya Prigogine
Sendezeit: So. 22.04.2007, 8.30h

Zum Vortrag

Unsere Einsichten in das Wesen der Natur wurden durch die Naturwissenschaft im 20. Jahrhundert von Grund auf verändert. Diese Entwicklungen haben etablierte Ideen wie die Vorstellungen über den Begriff der Ordnung, über die Gesetze der Natur – um nur diese beiden Beispiele zu nennen – in Frage gestellt. Professor Dr. Ilya Prigogine war einer der großen Naturforscher des 20. Jahrhunderts. Er lehrte an der University of Austin in Texas. 1977 erhielt er den Nobelpreis für Chemie. 1989 wurde er in den Adelstand erhoben. Bis zu seinem Tod im Jahr 2003 war er Präsident der International Academy of Science.

Zur Person

Ilya Prigogine wurde im russischen Revolutionsjahr 1917 in Moskau geboren. Seine Eltern emigrierten wenige Jahre später und lebten in den zwanziger Jahren einige Zeit in Berlin, wo Ilya die Schule besuchte und Deutsch lernte. Die Endstation der Emigration der Familie war Brüssel. Ilya Prigogine wurde belgischer Staatbürger, seine Ausbildung, seine Karriere und viele Ehrungen darunter auch die Verleihung des Adelstitels durch den König (1989) verdankte er Belgien, das er als seine neue Heimat akzeptierte und vertrat. Prigogine studierte Chemie an der Freien Universität Brüssel, mit der er zeitlebens eng verbunden blieb. Die Stationen seiner Ausbildung waren: Abschluß des Studiums der Chemie und Physik 1939 und Promotion in Chemie 1941. Schon mit seinen ersten wissenschaftlichen Arbeiten nahm Prigogine die Tradition der großen belgischen Thermodynamikschule von DeDonder auf. Besonders deutlich wurde das in seinem frühen Buch mit Defay: " Traite de Thermodynamique Conformement aux Methodes de Gibbs et de DeDonder" (Liege, 1944).
Die deutsche Übersetzung erscheint unter dem Titel Chemische Thermodynamik 1962 in Leipzig und diente jahrzehntelang als Grundlage der Thermodynamik-Ausbildung von Physikern und Chemikern. Während dieses Buch, das von unübertroffener Klarheit ist, sich noch weitgehend an die Linien der klassischen Thermodynamik hält, schlägt Prigogine in seiner Dissertation: "Etude Thermodynamique de Phenomenes Irreversibles" (Liege, Paris, 1947) ganz neue Wege ein und begründet damit die irreversible Thermodynamik. Im Jahre 1951 wurde er zum ordentlichen Professor der Freien Universität Brüssel berufen und 1987 zum Ehrenprofessor. Prigogines meist zitiertes Werk "The Molecular Theory of Solutions", erschien 1957 in Amsterdam. Damit wendete sich Prigogine der Statistischen Physik zu, die ihn immer fasziniert hat und die er in geschlossener Form in dem Buch "Nonequilibrium Statistical Mechanics" (New York, 1962) darstellte.
1967 gründete Prigogine das Center of Statistical Mechanics and Thermodynamics Texas Austin und übernahm seine Leitung. Eine nächste Schaffensperiode, die etwa ab 1968 zu datieren ist, stand unter dem Zeichen der Theorie der Selbstorganisation, der dissipativen Strukturen. Daraus resultierten Bücher mit Glansdorff und Nicolis, die in fast alle Sprachen übersetzt wurden. Im Jahre 1977 wurde Prigogine mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet, Wenige Jahre später, 1980, wurde er zum auswärtigen Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften gewählt. In seiner letzten Schaffensperiode widmete sich Prigogine den allgemeinen Problemen von Zeit, Chaos, Irreversibilität und Naturgesetzlichkeit. Seine Bücher dazu sind von einem breiten Publikum studiert worden und haben das moderne Weltbild mitgeprägt. Ilya Prigogine starb am 28. Mai 2003 in Brüssel. Er gehörte zu den großen Naturforschern des 20. Jahrhundert.

Ausgewählte Veröffentlichungen