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Ästhetik der Gewalt im griechischen Epos

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer
Sendezeit: So. 29.06.2008, 8.30h

Zum Vortrag

Eigentlich haben wir keine Chance, angemessen über die Wahrnehmung oder das Empfinden eines Individuums, das einer anderen Kultur und damit auch einer anderen Gefühlskultur entstammt, zu sprechen. Dennoch tun wir es andauernd. Und deshalb ist es ja so frappierend, dass ausgerechnet ein so ferner Text wie die Ilias fest im Kanon der abendländischen Kultur verankert geblieben ist. Nicht, weil wir die Abläufe genau im Kopf haben, sondern weil sich Gefühle mit diesen Abläufen verbinden, weil sie in uns Stimmungen evozieren: der Zorn des Achill, Kassandras ins Leere gehende Warnrufe, der mit List verbundene Triumph, das Gemenge der Schlachten, die Schmerzensschreie, die Liebe, die Eifersüchteleien um Helena, Hass, Rache-Räusche, Gewaltexzesse, Frustration, der Bratenduft der Opfertiere. Das alles sind sehr persönliche, in die Gefühle greifende Vorgänge. Professor Dr. Jürgen Wertheimer lehrt Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik an der Universität Tübingen.

Zur Person

Jürgen Wertheimer, geboren 1947, 1969- 1973 Studium der Germanistik, Komparatistik, Anglistik und Kunstgeschichte an den Universitäten München, Siena und Rom, 1984/85: Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Neuere deutsche Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaft), 1986/87: Ernennung zum Professeur associé für "Littérature allemande" an der Universität Metz, 1991: Berufung auf den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik, Universität Tübingen, 1994/95: Professeur invité an der Université Paris 8, seit 1992: Mitherausgeber der komparatistischen Zeitschrift arcadia, seit 1993: Kulturkonflikte / Integration – Abwehr – Konflikt. Plurikulturelle Räume am Beispiel von Berlin–Barcelona –Sarajewo, seit 1993: Tübinger Celan-Ausgabe, 1996-2004: Tübinger Poetik-Dozentur, 2004-2006: Forum der Welt-Literaturen.

Ausgewählte Veröffentlichungen