Weiterführende Informationen zur Sendung
Prekäres und unverhofftes Glück.
Zur klassischen deutschen Literatur
Prof. Dr. David E. Wellbery
Sendezeit: So. 09.11.2008, 8.30h
Zum Vortrag
Zu den Errungenschaften der europäischen Aufklärung gehört die Thematisierung des menschlichen Anspruchs auf Glück. Der Vortrag geht der Frage nach, wie die „klassische“ deutsche Literatur diese Vorgabe aufgriff und umformte. Dass sich das Glück nicht mehr mit aufklärerischer Emphase gestalten ließ, zeigt Schillers Idyllenbegriff, der den Inhalt des traditionellen Genres der Glücksdarstellung in eine uneinholbare zeitliche Ferne rückt. Gleichwohl konnte eine Literatur, welche die wesentlichen Belange des menschlichen Lebens herauszustellen bemüht war, unmöglich auf das Glücksthema verzichten. Die Lösung des Dilemmas bestand darin, die Glücksdarstellung zu verkomplizieren, das Prekäre am Glück hervorzukehren, die Anfechtungen, denen das Glück ausgesetzt ist, zu betonen. Das Glück wird weniger selbstverständlich, zeigt sich gar als paradox; dafür aber gewinnt es an Bedeutsamkeit und Tiefe. Wie diese literarische Arbeit der Glückskomplikation vor sich geht, soll an Werken von Lessing, Goethe und Johann Peter Hebel aufgezeigt werden.
Zur Person
David E. Wellbery, 1947 in Cooperstown, New York geboren, studierte Germanistik an der State University of New York at Binghampton (B.A. 1969) und an der Yale University (Ph.D. 1977). 1975-83 Assistant Professor, 1983-1987 Associate Professor, 1987-1990 Professor of German and Comparative Literature and Chairman of Comparative Literature an der Stanford University, Kalifornien. 1990-2001 William Kurrelmeyer Professor of German an der Johns Hopkins University, Baltimore, Maryland. Seit 2001 LeRoy T. and Margaret Deffenbaugh Carlson University Professor im Department of Germanic Studies, Department of Comparative Literature und im Committee on Social Thought an der University of Chicago. 1980-81 Gastprofessor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn, 1984-85 an der Princeton University, New Jersey. 1989-90 Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin, 1994-1996 Gastforscher am Zentrum für Literaturforschung, Berlin, 1994-1996 Mitglied der interdisziplinären Forschungsgruppe ‘Poetik und Hermeneutik’. 2002-2003 Fellow der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, München. 2005 Forschungspreis der Alexander von Humboldt Stiftung. Seit 2008 korrespondierendes Mitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1998 Mitherausgeber der Deutschen Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte.
Ausgewählte Veröffentlichungen
- Lessing’s Laocoon: Semiotics and Aesthetics in the Age of Reason. Cambridge University Press, 1984
- Goethe’s “Harzreise im Winter”. Eine Deutungskontroverse. (zus. mit Klaus Weimar). Paderborn, 1984
- The Specular Moment. Goethes Lyric and the Beginnings of Romanticism. Stanford University Press, 1996
- Neo-Retorica E. Desconstrucao. Rio de Janeiro, 1998
- Schopenhauers Bedeutung für die moderne Literatur. Carl Friedrich von Siemens-Stiftung, München, 1998
- Seiltänzer des Paradoxalen. Aufsätze zur ästhetischen Wissenschaft. Carl Hanser Verlag, München, 2006
- Über das Glück. Ein Symposium (Hrsg.: Heinrich Meier). Piper Verlag, München, 2009


