Weiterführende Informationen zur Sendung
Die Skandalgesellschaft
Vom Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter
Prof. Dr. Bernhard Pörksen
Sendezeit: So. 19.02.2017, 7.30h
Zum Vortrag
Medien durchdringen das politische, wirtschaftliche und private Leben bis in den letzten Winkel. Angesichts der immer dichteren Verflechtung traditioneller und digitaler Kommunikationskanäle ist die Vorstellung medienfreier Räume zur Illusion geworden. Was bedeutet diese ebenso faszinierende wie beunruhigende Entwicklung?
Bernhard Pörksen geht von einer zentralen These aus: In der digitalen Moderne ist jeder Mensch zum Sender geworden ist. Blitzschnell sind Transparenz und Aufklärung möglich – und in rasender Geschwindigkeit verbreiten sich Gerüchte und Falschmeldungen, bilden sich Protest- und Wutgemeinschaften, die mit Schicksalen auf einer weltweit sichtbaren Bühne spielen …
Zur Person
Bernhard Pörksen, Jahrgang 1969, studierte Germanistik, Journalistik und Biologie in Hamburg. Er absolvierte auf Einladung des Sozialphilosophen Ivan Illich Forschungsaufenthalte an der Pennsylvania State University, arbeitete während des Studiums als freier Journalist für unterschiedliche Zeitungen und Zeitschriften und volontierte von 1996-1997 beim Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt. Im Jahre 1999 beendete Pörksen die Arbeit an seiner Promotion über die Medien und die Sprache von Rechtsextremisten, konzipierte und leitete im Jahre 2000 die Studieneinheit „Schreibpraxis“ an der Universität Greifswald und lehrte in der Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Danach war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg tätig und wurde 2002 auf eine Juniorprofessur für Journalistik und Kommunikationswissenschaft berufen. 2006 vertrat Bernhard Pörksen den Lehrstuhl für Kommunikationstheorie und Medienkultur an der Universität Münster. 2007 wurde er für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Hamburg mit einer Reihe von Schriften zum Themenfeld „Konstruktivistische Erkenntnistheorie und mediale Praxis“ habilitiert. 2008 erhielt er einen Ruf auf eine W3-Professur für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Im selben Jahr wählte ihn die Jury des Hochschulmagazins Unicum zum „Professor des Jahres“ in der Kategorie Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften und würdigte die Verknüpfung von wissenschaftlicher Ausbildung und berufspraktischer Qualifikation in seiner Lehrtätigkeit. Von 2009 bis 2011 war er zunächst Gründungsbeauftragter und dann Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Pörksen arbeitet im Editorial Board verschiedener systemisch-konstruktivistischer Zeitschriften („Constructivist Foundations“, „Cybernetics & Human Knowing“, „Familiendynamik“). Er ist Beiratsmitglied und Kolumnist der Zeitschrift „Pop“, gibt gemeinsam mit der Linguistin Ingrid Schröder die Buchreihe „Sprache in der Gesellschaft“ heraus, in der Arbeiten an der Schnittstelle von Sprach- und Medienwissenschaft erscheinen. Im Carl-Auer-Verlag publiziert er überdies die Buchreihe „Systemische Horizonte“, die sich der praktischen Nutzbarmachung des Konstruktivismus und der Systemtheorie in der Organisationsberatung, im Management und in der Pädagogik widmet.
Ausgewählte Veröffentlichungen
- Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens (zus. mit Friedemann Schulz von Thun), Carl-Auer-Systeme, Heidelberg, 2014
- Die gehetzte Politik. Die neue Macht der Medien und Märkte (Hrsg. zus. mit Heinz von Foerster), Herbert von Halem Verlag, Köln, 2013
- Der entfesselte Skandal (zus. mit Hanne Detel), Herbert von Halem Verlag, Köln, 2012
- Schlüsselwerke des Konstruktivismus (Hrsg.), VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2011
- Die Casting-Gesellschaft. Die Sucht nach Aufmerksamkeit und das Tribunal der Medien (Hrsg. zus. mit Wolfgang Krischke), Herbert von Halem Verlag, Köln, 2010
- Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Hrsg. zus. mit Jens Bergmann), Herbert von Halem Verlag, Köln, 2009
- Die Konstruktion von Feindbildern. Zum Sprachgebrauch in neonazistischen Medien. 2., erweiterte Aufl. Mit einem Geleitwort von Johano Strasser, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2005
- Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens (zus. mit Humberto R. Maturana), Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, Heidelberg, 2002
- Die Gewissheit der Ungewissheit. Gespräche zum Konstruktivismus. Mit Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld, Humberto R. Maturana, Gerhard Roth, Siegfried J. Schmidt, Helm Stierlin, Francisco J. Varela und Paul Watzlawick, Carl-Auer-Systeme, Heidelberg, 2001
- Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker (zus. mit Heinz von Foerster) Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, Heidelberg, 1998


