Weiterführende Informationen zur Sendung
Asiatische Werte
Prof. Dr. Heiner Roetz
Sendezeit: So. 25.09.2011, 8.00h
Erstausstrahlung: So. 21.03.1999
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Zum Vortrag
Unter dem Schlagwort „Asian Values“ haben die autoritär regierten Staaten Südost- und Ostasiens ein eigenes Wertesystem beansprucht, das sich von den „westlichen Werten“ signifikant unterschiede und zu einem anderen, weniger auf das Individuum bezogenen Verständnis der Menschenrechte führe. Auch wenn der Höhepunkt der Kampagne hinter uns liegt, ist das zugrundeliegende Argumentationsmuster nach wie vor in Kraft. Es liegt auch der der Instrumentalisierung des Konfuzianismus zum Zweck der Legitimation des autoritären Regimes der Volksrepublik China zugrunde. Indes gibt es weder historisch noch aktuell ein Wertesystem, das sich tatsächlich als typisch „asiatisch“ oder auch „chinesisch“ beschreiben ließe. Die sogenannten „asiatischen Werte“ verdanken sich eher einer westlichen und in Asien aus politischen Gründen aufgegriffenen Konstruktion.
Zur Person
Heiner Roetz, geboren1950, studierte Sinologie und Philosophie an der Universität Frankfurt. 1976 erwarb er den Magister Artium, 1983 wurde er promoviert. Thema der Dissertation: Mensch und Natur im alten China.1990 folgte die Habilitation. Thema der Habilitationsschrift: Die chinesische Ethik der Achsenzeit.
Nach Lehrstuhlvertretungen an den Universitäten Konstanz und Marburg bekleidet er seit 1998 den Lehrstuhl für Geschichte und Philosophie Chinas an der Ruhr-Universität Bochum. Er war Sprecher der DFG-Forschergruppe "Kulturübergreifende Bioethik" und ist seit 2008 Mitglied des Käthe-Hamburger-Kollegs „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa“.
Ausgewählte Veröffentlichungen
- Das Buch Mengzi im Kontext der Menschenrechtsfrage (zus. mit Wolfgang Ommerborn und Gregor Paul). LIT Verlag, Münster, 2011 (im Erscheinen)
- "China und die 'Harmonische Gesellschaft': Die Welt als Garten". In: Deutsche China Gesellschaft Mitteilungsblatt 53, 2009, S. 10-17
- "Der konfuzianische Humanismus und sein Ursprung aus dem Geist der Traditionskritik". In: Menschenbilder in China (Hrsg. mit Lena Henningsen). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2009, S. 33-66
- Klassische chinesische Philosophie. Eine Einführung (zus. mit Hubert Schleichert). Klostermann Verlag, Frankfurt am Main, 2009
- "Menschenrechte in China. Ein Problem der Kultur?". In: Wege zu den Menschenrechten. Geschichte und Gehalte eines umstrittenen Begriffs (Hrsg. Hamid Reza Yousefi u.a.). Bautz Verlag, Nordhausen, 2008, S. 177-196
- "Zur Grammatik des Begriffs 'Kultur' in einer 'kulturübergreifenden' Bioethik". In: Bochumer Jahrbuch zur Ostasienforschung 32, 2008, S. 72-91
- Konfuzius. C. H. Beck Verlag, München, 2006
- "Albert Schweitzer über das chinesische Denken. Eine sinologische Anmerkung", Nachwort zu Albert Schweitzer, Geschichte des chinesischen Denkens, Werke aus dem Nachlaß. C. H. Beck Verlag, München, 2002, S. 331-348
- "Europa und die asiatischen Werte". In: Werte im 21. Jahrhundert (Hrsg. Walter Schweidler). Nomos Verlag, Baden-Baden, 2001, S. 179-194
- Die chinesische Ethik der Achsenzeit. Eine Rekonstruktion unter dem Aspekt des Durchbruchs zu postkonventionellem Denken. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1992 (engl. 1993, chin. 2009)
- Mensch und Natur im alten China. Zum Subjekt-Objekt Gegensatz in der klassischen chinesischen Philosophie, zugleich eine Kritik des Klischees vom "chinesischen Universismus". Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 1984


